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Valimaro

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Mittwoch, 3. Januar 2018, 19:18

Fragmente Rhovanions - Akt 1 Valimaro Taurthir

Die Fragmente Rhovanions

oder:
i otsëa nulda parma
or tana nolwe ye tindómerel



verfasst von Valimaro Taurthir


I. Akt


Valimaro Taurthir


Die erste Novelle
einer geplanten Reihe zu
meinem Hauptcharakter Valimaro Taurthir



Und am Ende der heutigen Nacht wirst du, Valimaro, dich fragen:
‚Hätte ich dieses Schicksal auch verhindern können?‘' “
– Narake


Prolog

Schnell schritt er den schmalen Pfad entlang und versuchte, den kurz einfallenden Strahlen des Sonnenlichts auszuweichen, die manchmal durch das dichte Blätterdicht hindurch drangen. Sein Antlitz verbarg er unter einem schwarzen Gewandt, um seine Gestalt vor anderen Reisenden zu verbergen – wie immer.
In der Hoffnung, sein Ziel möglichst unauffällig zu erreichen, bemühte er sich, in den Schatten der langen Bäume zu wandeln.
Doch er hatte Glück, denn er war das einzige Geschöpf weit und breit.
Der schmale Weg war an beiden Seiten gesäumt von hohen Bäumen, deren Blätterdächer die Aussicht in den Himmel fast vollständig abschirmten.
Es gab keine Geräuschkulisse, auch der Wind war hier nicht zu hören. Auf diesem Pfad herrschte eine unnatürliche Stille zwischen den Wegrändern zu beiden Seiten und dem unbekannten Wanderer, der einsam auf einem ihm unbekannten Pfad wandelte.


Der Namenlose, denn er gab sich keinen Namen, interessierte sich nicht für die angrenzende Natur des Waldes, stattdessen kreisten seine Gedanken einzig und allein um den verheißungsvollen Ort, den er gleich betreten sollte.
So lange schon hatte er auf diese Begegnung hingearbeitet, so viel Zeit hatte er auf der Suche nach ihm verbracht.
Nun würde sich seine lange Reise endlich auszahlen. Er malte sich aus, was passieren könnte, wenn die Geschichte tatsächlich wahr wäre?
Könnte es wahrhaftig möglich sein? Doch er zweifelte daran und wollte es nicht wahrhaben.
Denn er irrte sich nie und sein Verstand war auch noch nie geblendet worden, von keinem Wesen Mittelerdes, auf das er bisher gestoßen war.
Aber war es diesmal anders? Die Wahrheit würde sich schon bald offenbaren, das ahnte er.
Getrieben von dem Verlangen, seine Suche endlich beenden zu können, beschleunigte er seine Schritte und zog sich die dunkle Kapuze seines Mantels enger in sein Gesicht, um es zu verbergen.
Der Weg führte nun bergab und am Fuße eines kleinen Hügels konnte er ein einsames, recht verfallenes Haus erkennen, das für das ungeübte Auge eines Menschen wohl verlassen wirkte, doch nicht für ihn. Er wusste es besser.
Nochmals drehte er sich in alle Richtungen, ob ihn auch niemand beobachtete, er musste jetzt ganz sicher sein. Für ihn war es zu gefährlich, hier gesehen zu werden, er durfte so kurz vor dem Ende keine Fehler mehr machen, nicht so nah vor seinem Ziel.
Das Haus sah genauso aus, wie es ihm der Alte vor einiger Zeit beschrieben hatte.
Mit schnellen Schritten erreichte der unbekannte Wanderer die Schwelle der Tür und hielt dann inne.
Ein falsches Lächeln huschte unter seiner falschen Kapuze über sein falsches Gesicht.
Er irrte sich nie, es war der richtige Ort und die richtige Zeit, die Reise nun endlich zu beenden.
Langsam hob er seinen rechten Arm und klopfte dreimal laut und kräftig gegen die Holztür. Dann kam das Warten.
Einen Herzschlag, einen weiteren und schließlich öffnete sich die Tür vor ihm.







Kapitel I - Die Rückkehr

Langsam schritt Valkas den langen Pfad entlang, den sie bisher nur einmal zusammen vor so langer Zeit gemeinsam geritten waren.
Seine schwarze Mähne glänzte, sobald die Sonnenstrahlen Reiter und Ross beschienen, was nun häufiger vorkam, denn die Bäume standen nicht mehr so dicht und ließen das Tageslicht nun deutlicher durch ihre Kronen hindurch schimmern.
Der Elb auf Valkas war groß und mächtig wirkte seine Rüstung, die von vielen Kämpfen und Jahren des Gebrauchs gezeichnet war.
Sein langes schwarzes Haar fiel ungepflegt nach hinten über und er hatte sich diesmal keine Mühe damit gegeben, es zusammen zu flechten, was unüblich für ihn war.
Die dunkelgrünen Augen des Elben suchten aufmerksam zwischen den Bäumen nach Spähern seines Volkes und mit seinen Ohren versuchte er, mögliche Geräusche zu erhaschen, um vorgewarnt zu sein.
Seine Sinne verrieten dem Reiter, dass sie nun bald am Ziel angekommen waren und bereits seit einiger Zeit von neugierigen Augen beobachtet wurden.
Mit einer sanften Berührung seiner Hand und einem flüsternden Wort in Sindarin gebot der Reiter, seinem Pferd stehen zu bleiben.
Langsam schwang er sich von Valkas ab und nahm dabei die Zügel in die linke Hand, um den Hengst das letzte Stück des Weges zu Fuß führen zu können.
Nach wenigen Schritten hörte der Elb die Sehnen von Bögen, die gespannt und Pfeile, die aus Köchern gezogen und angelegt wurden.
In einer abwehrenden Geste hob der Reiter beide Arme und sprach dabei folgende Worte in Sindarin:
„Ich bin Valimaro, Sohn dieses Waldes und fordere Einlass in das Waldlandreich von König Thranduil, um meine Ehre wiederherzustellen. Schickt nach Fürst Garadal und lasst ihn wissen, dass ich in meine Heimat zurückkehren will.“


Nach einem kurzen Moment des Wartens, traten vier Waldelben mit gespannten Bögen aus den Bäumen, je einer aus jeder Himmelsrichtung, auf die kleine Lichtung und schritten zögernd auf Valimaro und Valkas zu.
Dann sprach einer von ihnen:
„Wir kennen keinen Valimaro vom Großen Grünwald! Doch sprecht rasch, bevor wir eurer angeblichen Heimkehr ein schnelles und trauriges Ende bereiten werden, woher kennt ihr den Namen Garadal?“


Der wortführende Waldelb senkte merklich seinen Bogen und blickte Valimaro finster an.
Dieser hielt dem Blick stand und entgegnete: „Garadal hat mich ausgebildet, er ist der Fürst der Waldlandgarde vom Nachtwald, er wird nicht erfreut sein, wenn ihr seinen einstigen Ziehsohn aus Unwissenheit und falschem Eifer heraus erschießt.“


Auf diese trotzigen Worte hin begannen die Waldelben laut aufzulachen und senkten für einen Moment die Bögen zu Boden.
Diesen Augenblick nutzte Valimaro, um in einer raschen Bewegung plötzlich mit gezücktem Dolch vor dem wortführenden Waldelben zu stehen, so dicht, dass beide das Grün in den Augen des jeweils anderen in allen Farbnuancen deutlich erkennen konnten.
Mit dem Dolch an der Kehle des Waldelben sprach Valimaro mit einer tiefen und festen Stimme, die jedem anwesenden Elben auf der kleinen Lichtung nicht im geringsten an der Wahrhaftigkeit der folgenden Worte zweifeln ließ:
„Meine Wacht war lang und beschwerlich und ich habe diesen langen Heimweg nicht auf mich genommen, um kurz vor meinem Zuhause das meinige oder euer Blut zu vergießen, Nandor. Schickt nach Garadal und zwar sofort.“


Mit einem kurzen und vorsichtigen Nicken gab der Waldelb vor Valimaro den anderen Bogenschützen auf der Lichtung zu verstehen, dass einer von ihnen nun Garadal holen solle und sofort ließ der Waldelb auf Valkas rechten Seite seinen Bogen fallen und lief das letzte Stück des Weges in den Wald, während die anderen zwei Elben wie angewurzelt an Ort und Stelle stehen blieben und ihre Bogen senkten.
Erst jetzt nahm Valimaro seinen Dolch herunter und schritt zu seinem Pferd Valkas hinüber, nicht ohne die Waldelben auch nur einen Moment aus den Augen zu lassen.
Keine weiteren Worte oder Gesten wurden mehr zwischen den Elben ausgetauscht, bis nach einer geraumen Zeit plötzlich viele Stimmen aus dem Waldstück zu Valkas Rechten zu hören waren.
Ungeduldig und mit ernster Miene blickte Valimaro in die Richtung des Stimmengewirrs, denn die Worte, die dort in Sindarin miteinander gewechselt wurden, klangen alles andere als freundlich.
Langsam drehte sich Valimaro zu seinem Pferd und wickelte sich die Zügel um beide Handgelenke, bereit, um sich sofort auf Valkas zu schwingen und, wenn nötig, augenblicklich in die Richtung davon zu preschen, aus der er vorhin gekommen war.


Doch soweit sollte es nicht kommen müssen.
Etliche Elben traten aus dem Wald, viele diskutierten aufgeregt miteinander und tauschten überraschte Blicke aus.
Doch einer von ihnen, ein groß gewachsener Waldelb in einer grün-goldenen Rüstung, die ihn für einen Wissenden eindeutig als hochrangigen Soldaten des Waldlandreiches Thranduils auswies, trat zwischen ihnen hervor und kam auf Valimaro zu.
Schnell wichen anfänglicher Zorn und Argwohn aus dem Gesicht dieses Elben, als er schließlich Valimaro erblickte und überrascht ausrief:
„Vali, kann das wirklich sein? Bist du tatsächlich zurückgekehrt?“
Nach diesen Fragen beschleunigte der Elb seine Schritte und stand nur noch wenige Meter von Valkas und Valimaro entfernt, der immer noch nicht wusste, wie er die Lage einschätzen sollte. Doch erkannte auch er seinen alten Freund und Ziehvater Garadal wieder und schnell wichen die Gedanken der Flucht und Angst, an ihre Stelle traten Gefühle der Freude und Erleichterung.

Valimaro ließ die Zügel fallen und trat näher zu Garadal heran.
Die Mienen der beiden Elben hellten sich für jeden der anwesenden Waldelben sichtbar auf und die Atmosphäre auf der Lichtung, die vor wenigen Minuten noch zum Zerreißen gespannt war, löste sich spürbar.
Beide Elben lächelten einander zu und reichten sich die Arme, um einander zu berühren.
Zunächst recht zögerlich, doch nach einem festen Armdruck zog Garadal seinen einstigen Schützling zu sich heran und umarmte Valimaro in tiefer Freundschaft und Liebe, die nur ein Vater für seinen Sohn empfinden kann. In Sindarin flüsterte Garadal zu Valimaro: „Deine Mutter hat dich so sehr vermisst, sie wird überglücklich sein, ihren verloren geglaubten Sohn endlich wiederzusehen. Doch muss ich als Fürst meines Königs eines von dir wissen.“
Die letzten Worte verschluckte Garadal, als er sich von der Umarmung Valimaros löste und Tränen über seine Wangen liefen.
Für eine gefühlte Ewigkeit blickten sich die beiden Elben in die Augen bis Garadal schließlich weitersprach: „Du weißt, du bist für alle Zeitalter aus dem Waldlandreich verbannt und nur das Ende deiner Wacht erlaubt dir, den Zutritt wiederzuerlangen. Ich habe Befehl dich sofort töten zu lassen, wenn du das Waldlandreich vorher betreten solltest.“



Kapitel II - Die Ankunft

Valimaro ließ sich von den Worten Garadals nicht aus der Fassung bringen, wie der Fürst der Elbengarde vielleicht anfangs durch seine Warnung vermutet hätte.
Stattdessen deutete Valimaro auf eine der Satteltaschen am Sattel von Valkas und sprach dann zu seinem Ziehvater:
„Meine Wacht ist zu Ende, ich bin hier her gekommen, um mein Heimatrecht zurückzufordern, Vater.“ Das letzte Wort sprach Valimaro nur zögerlich und erst nach einer kurzen, aber bewusst gesetzten Pause, aus.


Der Ausdruck auf Garadals Gesicht wurde ernster und für einen Moment lag die Spannung, die zuvor gelöst schien, plötzlich wieder spürbar in der Luft. Doch dann trat der Fürst der Elbengarde ohne weitere Bemerkungen an Valkas heran und öffnete die rechte Satteltasche seitlich am Hengst.
Beim Anblick des Inhalts musste Garadal leicht schmunzeln.
Zufrieden und mit einem freundlichen Lächeln klatschte der Elb in die Hände und murmelte ein paar Worte in Sindarin, die nicht für jeden auf der Lichtung zu hören waren.
Valimaros Miene erhellte sich bei diesen Worten und er reichte Garadal erneut die Hand, dieser nahm die freundschaftliche Geste auf und umschloss nun mit seiner Hand die von Valimaro. Zusammen ballten die beiden Elben ihre Hände zu Fäusten, während sie sich dabei tief in die Augen schauten, wissend, dass nun die Zeit der Heimkehr Valimaros angebrochen war.


Als sie ihre Hände voneinander lösten, wandte sich Garadal an die übrigen Waldelben, die immer noch völlig ahnungslos etwas abseits am Rand der Lichtung standen und der Szenerie scheinbar geräuschlos gefolgt waren.
„Ich befehle euch, König Thranduil und Prinz Legolas darüber zu informieren, dass Valimaro, Wächter vom großen Grünwald, zurückgekehrt ist und um eine Audienz bei Hofe ersucht, um sein Recht auf Heimkehr einzufordern. Weiterhin untersteht Valimaro fortan dem Schutz der Garde des Waldlandreiches und ist sicher zu seiner Mutter, der Elbin Maneth, zu geleiten.“

Nach diesen Worten nickte Garadal seinem Gegenüber freundlich zu und machte sich daran zu gehen, nicht ohne ein paar letzte Worte an Valimaro zu richten:
„Besuche zu allererst deine Mutter, sie gehört seit jenen Tagen zu den Ausgestoßenen unseres Reiches und lebt am Rande der Waldfestung, sehr einsam und abgelegen. Sie wird sich sehr freuen, ihren einzigen Sohn jetzt wiederzusehen. Wir reden später miteinander über deine weiteren Schritte.“
Mit einer fuchtelnden Handbewegung gebot der Fürst der Garde seinem einstigen Ziehsohn nichts weiter auf diese Worte zu erwidern, machte auf der Stelle kehrt und ging mit den meisten Waldelben zurück in den Wald. Valimaro, der bei diesen Worten vieles hätte fragen können, verstummte, denn innerlich durchzog ihn ein stechender Schmerz beim Ausspruch Garadals.

Lediglich die vier Bogenschützen, die Valimaro zuvor verlacht hatten, blieben mit ihm zurück auf der kleinen Lichtung und mussten kräftig schlucken, als ihnen plötzlich klar wurde, dass nun sie den Rückkehrer zu seiner Mutter führen mussten.

Wer das Waldlandreich der Elben nie mit eigenen Augen gesehen hat, kann sich nicht im Geringsten vorstellen, was die Waldelben dort versteckt im Großen Grünwald, weit jenseits der nördlichen Ausläufer des Nebelgebirges, geschaffen haben.
Sie siedelten hier schon seit mehreren Zeitaltern und hielten sich stets im Verborgenen ihrer Bäume, abseits der wenigen Pfade, die sich wie ein Lindwurm durch den Wald schlängeln, oft verzweigen, um den ahnungslosen Wanderer dann doch in die Irre zu führen.
Diese List soll die vermeintlichen Feinde Thranduils tiefer in den Süden und fort von seinem Waldlandreich locken, denn nur das geschulte Elbenauge vermag, die wenigen Pfade seines Volkes zu entdecken.


Außerhalb der Grenzen Rhovanions ist das Heim der Waldelben dem Fremden nur als „Düsterwald“ bekannt, allerdings haben die Elben ihren Wald so nie selbst bezeichnet und auch Valimaro hielt stets den wahren Namen in guter Erinnerung, auch in dem Moment, als er den vier Waldelben aufmerksam das letzte Stück des Weges zum verborgenen Hain der Waldfestung folgte.
Der Einfluss elbischer Magie war hier deutlich spürbar, als die fünf Elben zusammen mit Valkas die ersten Baumreihen vor sich passierten und sich der Nebel der Täuschung allmählich legte.
Wie ein Schleier, der bei den Hochzeiten der Menschen das Antlitz der Frauen vor neugierigen Blicken verbarg, so schützte hier der Einfluss Thranduils und der ältesten Sindar die Waldfestung vor unerwünschten Besuchern und bösen Kräften von außen. Die Macht des Königs schirmte diesen Ort ab und umhüllte ihn mit dichten Baumreihen, die für den menschlichen Geist nichts weiter waren als endloses Bäume, die sich scheinbar unendlich aufreihten, schließlich verdichteten und miteinander in der Ferne verschwammen.
Nur ein äußerst unnachgiebiger Narr hätte einen Fuß in Richtung dieser Baumketten gesetzt, die selbst für Valimaro, vor so vielen Jahren, den anfänglichen Eindruck gemacht hatten, als läge ein undurchdringbares Netz tausender Baumarten vor ihm, doch der Schein war trügerisch, das wusste er.
Als die Elben die ersten drei dichten Baumreihen hinter sich ließen, verschwanden die Bäume vor ihnen, die vor wenigen Augenblicken noch ein schier endloses Labyrinth vorausahnen ließen und gaben den Blick auf eine weite Flur zahlreicher, hoch gewachsener Büsche und Sträucher frei, die von der nun langsam untergehenden Sonne in goldgelben Farben leuchteten.
Mit kurzen Lauten, die an das Zwitschern mancher Vögel erinnerten, machten die vier Waldelben, die Valimaro und Valkas nun zu beiden Seiten flankierten, auf sich aufmerksam und gaben den übrigen Waldelben, die ihrerseits die Laute kopierten und anschließend aus den Gräsern nun in das Sichtfeld Valimaros traten, zu verstehen, dass sie sich den Toren der Waldfestung mit einem Gast näherten, dem Geleitschutz zu gewähren war.
Bei dieser Szene dachte Valimaro an die merkwürdigen Eigenheiten seiner Verwandten, den Nandor, aus den südlichen Teilen des Grünwaldes, die, so erzählen sich die Elben aus den nördlichen Teilen des Waldes, über keine eigene Sprache verfügen und nur bei Gefahr, Angst oder Freude miteinander in Form von Lauten und Geräuschen miteinander kommunizieren.
Doch dann erblickte Valimaro das, wonach er sich so viele Jahre gesehnt hatte, die Ausläufer der Waldfestung seiner Heimat des Waldlandreiches.
Prächtig und hoch waren die grünbraunen Mauern, die mit etlichen Moos- und zahlreichen Kräuterarten das Holz überwucherten, das die Grundlage der Feste bildete, die bereits so viele Jahrhunderte überdauert hatte.
Als die Elben sich dem Tor der Waldfestung näherten wurden eilig Worte in Sindarin mit den Wachen auf den Zinnen der Mauern gewechselt und Valimaro hielt Valkas nun fester an den Zügeln, da der schwarze Hengst beim Anblick der hohen Mauern und vielen Stimmen etwas nervös auf ihn wirkte und stockte.
Mit gutem Zureden konnte Valimaro sein treues Ross allerdings schnell beruhigen und zum Weitergehen ermutigen.
Im Vergleich zu den imposanten Mauern wirkte das Waldtor, trotz der vielen Jahre, die zwischen der abrupten Abreise und der Rückkehr Valimaros lagen, immer noch sehr klein und zerbrechlich. Es war gerade einmal groß genug, dass Valkas alleine und auch nur völlig unbepackt hindurch passte.
Kurz nachdem die Elben und der Hengst das Waldtor passiert hatten, stellten sich ihnen zwei der Torwächter in den Weg und geboten ihnen mit einer fuchtelnden Handbewegung, stehen zu bleiben.
Überrascht blickte Valimaro zwischen seinen Begleitern hin und her, diese grinsten nur und tauschten verstohlene Blicke miteinander aus.
Einer der Torwächter trat näher an Valimaro heran und sprach:
„Ich muss euch ab hier die Waffen abnehmen, ihr dürft das Waldlandreich nur unbewaffnet betreten. Gebt ihr mir euren Bogen und die Schwerter freiwillig?“
Nervös drehte sich Valimaro bei diesen Worten nach hinten um und musste mit ansehen, wie die Waldelben das Waldtor bereits verschlossen hatten und damit begannen, es von innen abzuriegeln. In diesem Augenblick erkannte der von Heimatgefühlen überwältige Elb, dass er den Waldelben in die Falle gegangen war, denn nun gab es keinen Weg mehr zurück und ein Freikämpfen kam diesmal nicht für ihn in Betracht, auch, weil Valimaro hier kein Blut von Elben vergießen wollte.
Valimaro zog eine Augenbraue hoch und gab dem Torwächter, ohne ihn dabei auch nur eines Blickes zu würdigen, eine Frage als Antwort zurück:
„Habt ihr so viel Angst vor mir, dass ihr mich entwaffnen müsst?“
Der Torwächter spuckte bei diesen Worten auf den Boden aus und antwortete:
„Wir fürchten euch nicht mein Herr, aber ich habe meine Befehle. Lasst euch die Waffen abnehmen und wir geleiten euch zu Maneth der Ausgestoßenen.“
Bei diesen Worten zuckte Valimaro für alle sichtbar kurz zusammen und musste sich beherrschen, nicht die Fassung zu verlieren. Die Worte des Torwächters trafen den Elben tief in seiner Seele, denn niemals hätte er dieses Schicksal seiner Mutter auferlegen wollen, seine Hände ballten sich zu Fäusten.
Ein kurzes Nicken, danach übergab Valimaro sein Schwert und seinen Bogen an die Wachen, die ihn nun etwas nervös umringten.
Gerade als Valimaro seinen Hengst weiter in Richtung des Hauses seines Mutter führen wollte, schreckte er plötzlich auf, als er die Stimme eines alten Bekannten von hinten vernahm:
„Und nehmt dem Verbannten auch seinen Dolch ab, den er unter seinem Handgelenk versteckt. Mit diesem hat er vorhin eine meiner Wachen bedroht.“





Kapitel III - Der Wächter


Baradan trat aus dem Schatten des Torhauses, dem Valimaro beim Überschreiten der Waldlandgrenze keinerlei Beachtung geschenkt hatte – offensichtlich ein Fehler, wie er nun einsehen musste.
Als sich ihre Blicke trafen, war es für Valimaro beinahe so, als wäre er plötzlich in die vergangenen Tage zurückkatapultiert, als sie zusammen von Garadal zu Wächtern ausgebildet wurden und das erste Mal durch die umliegenden Teile des Waldes gemeinsam auf die Jagd gingen. Für einen kurzen Moment dachte Valimaro zurück an die Bewährungsprobe, die sie einst zusammen durchgestanden hatten, Seite an Seite, um in die Grünwald-Garde aufgenommen zu werden. In der Zeit zwischen zwei tiefen Atemzügen erinnerte sich der Elb an die schönen Zeiten seiner Jugend und an die Erlebnisse, die Baradan und ihn miteinander verbanden.


Doch dann sprach der Wächter des Waldtores weiter und zerstörte diese glücklichen Gedanken Valimaros, der aus seinen Erinnerungen gerissen wurde und sich plötzlich wieder im hier und jetzt befand.
„Ich hätte nicht gedacht, dass du es noch einmal vagen würdest, einen Fuß in meine Heimat zu setzen. Und noch dazu, dass du dein eigenes Volk nach all den Jahren nun mit Gewalt bedrohst, wo du es doch schon verraten hast.“ Baradan stellte sich neben den Torwächter vor Valimaro und bedeutete den Wächtern, dass sie sich entfernen sollten. Diese nickten kurz und machten sich dann daran, zurück zur Mauer zu gehen, nicht ohne die Waffen Valimaros mitzunehmen.
Die vier Waldelben, die Valimaro bisher begleitet hatten, schulterten auf ein weiteres Zeichen Baradans hin ihre Bögen und zerstreuten sich, bis sie aus dem Sichtfeld Valimaros verschwunden waren. Dieser musterte Baradan aufmerksam und sprach dann:
„Deine Wachen sollten mich auf Geheiß von Garadal sicher zu meiner Mutter geleiten, warum schickst du sie nun fort?“
Keine Begrüßung, keine Fragen, was in all den Jahren dem jeweils anderen wiederfahren war, keine Freude, keine Freundschaft mehr, die die beiden miteinander verband.
Es standen sich hier zwei fremde Elben einander gegenüber, die einst aus Freundschaft zueinander gehalten hatten. Davon war nun nichts mehr übriggeblieben, das fühlten beide, auch wenn sie es nicht offen aussprachen.
Baradan hielt dem Blick seines Gegenübers lange stand und antwortete schließlich:
„Garadal mag der Fürst der Garde sein, aber die Späher vor dem Waldtor unterstehen meinem Befehl und ich wusste nichts davon, dass dich meine Wachen geleiten sollten.“
Bei diesen letzten Worten funkelte ihn Valimaro mit seinen dunkelgrünen Augen wütend an, denn er log offenkundig. Baradan wusste sehr genau, wieviel der Fürst der Garde, dem auch er unterstand, für Valimaro empfand und stets war der Wächter des Tores darüber informiert, wen seine Späher in das Waldlandreich eskortierten. Auch wenn er nicht persönlich auf der Lichtung gewesen war, seine Boten hatten Baradan mit Sicherheit sofort über die Ankunft Valimaros informiert.
Der Wächter des Tores verschränkte die Arme und lächelte beim Anblick Valimaros.
„Was willst du jetzt machen Valimaro? Möchtest du dich bei Garadal darüber beschweren, dass meine Späher nichts Wichtigeres zu tun haben, als einen Verbannten zu seiner Mutter zu eskortieren? Du stehst bereits in der Waldfestung, hier brauchst du keinen Schutz mehr. Maneths Heim ist das letzte Haus, wenn du bei der ersten Weggabelung den linken Abzweig nimmst.“
Valimaro nickte zum Dank, dann drehte er sich zu Valkas und sprach:
„Ich habe nicht um diesen Geleitschutz verlangt, Baradan, aber mein Hengst muss versorgt werden, es war eine lange und beschwerliche Reise für Valkas und mich, wie du dir sicherlich vorstellen kannst.“
„Nein, das kann ich beim besten Willen nicht, schließlich habe ich mein Volk nicht verraten und wurde verbannt, deshalb weiß ich auch nicht, wo du all die Jahre dein bescheidenes Dasein gefristet hast.“
Ein innerlicher Schmerz durchzog Valimaro bei diesen Worten, denn auch wenn sie keine Freunde mehr waren, so verletzten diese Worte Valimaros Seele schwer und kränkten ihn sehr.
Nie hatte er sein Volk oder seine Heimat verraten und mit seiner Aussage machte Baradan deutlich, was wohl alle Elben hier über ihn dachten. Lohnte es sich überhaupt, dafür zurück zu kommen? Nachdenklich senkte Valimaro den Blick.
Doch dann trieb ihn der Gedanke nach seiner Mutter weiter an und er nahm entschlossen die Zügel des Pferdes in die linke Hand.
Er fuhr Valkas mit seiner freien Hand langsam über die schwarze Mähne und streichelte ihn sanft.
Dann, ohne ein weiteres Wort auszusprechen, führte Valimaro seinen Hengst den Weg hinauf, vorbei an zwei weiteren Torwächtern und in Richtung der hohen Baumhäuser der Waldelben.
Nach wenigen Schritten drehte er sich nochmals zu Baradan herum, der immer noch mit verschränkten Armen an Ort und Stelle stand und Valimaro nachsah, und sprach mit fester und kräftiger Stimme zu ihm, so laut, dass alle umstehenden Elben es mitanhören konnten:
„Niemals hätte ich gedacht, dass du, mein Schildbruder, mich bei meiner Rückkehr so tief enttäuschen und verletzen wirst und mit deinen grausamen Worten das freundschaftliche Band, das uns als Wächter miteinander verband, zerstörst.“
Nachdem er dies ausgesprochen hatte, holte Valimaro aus einer der Satteltaschen eine kleine Brosche hervor, die allen Wächtern des Grünwaldes gegeben wurde, wenn sie sich zu zweit im Kampf bei der Bewährung als Schildbrüder erwiesen hatten.
Für die Wächter des Grünwaldes gab es nichts tieferes, als das Band zwischen zwei Schildbrüdern, die das erste Mal im Kampf Seite an Seite zusammengestanden hatten.
Niemals mehr ließen sich diese zwei Wächter im Stich oder vergaßen ihre Freundschaft über die Jahre. Zum Zeichen ihrer Verbundenheit wurden extra zwei silberne Schildbroschen geschmiedet, die identisch waren, als Wertschätzung der Wächter des Grünwaldes galten und die beide Schildbrüder als Symbol ihrer Freundschaft behielten.
Diese Schildbrosche, die schon viele Jahrhunderte alt war, hielt Valimaro nun in seiner Hand, überlegte für einen Atemzug, ob es das Richtige war, entschied sich dann zu diesem Schritt, und warf Baradan die Schildbrosche zu Füßen, sodass es jeder der anwesenden Elben sehen konnte.
Ungläubig und fassungslos starrte Baradan auf die Schildbrosche vor ihm herab und wusste nur zu gut, was Valimaro damit öffentlich zum Ausdruck brachte.
Dieser war den Weg schon ein paar Meter weiter mit Valkas entlang geschritten, ohne sich noch einmal Baradan und den überrascht blickenden Torwächtern zu zuwenden, denn sonst hätte er wohl die stillen Tränen bemerkt, die dem Wächter des Waldtores langsam über seine Wangen liefen.
Lange sah Baradan seinem Freund Valimaro hinterher und versuchte seine Gefühle zu unterdrücken. Erst jetzt dachte er zurück an die gemeinsame Ausbildung zum Wächter, daran, wie sie zusammen die äußersten Grenzen des Waldlandreiches bei ihren vielen Streifzügen auskundschafteten und daran, wie sie in vielen schweren Stunden Seite an Seite, nur geschützt durch den Schild des jeweils anderen, die Feinde ihres Volkes bekämpften und abends bei Wein über ihre Erfolge scherzten.





Kapitel IV - Der fremde Gast

Als sich die knarrende Holztür langsam öffnete, viel sein kalter Blick zuerst in den Raum, der nun viel größer wirkte, als er noch vor wenigen Augenblicken von draußen vermutet hatte. Durch den kleinen Spalt lugte eine hübsche Elbin hervor, die den Fremden aufmerksam mit ihren grauen Augen verwundert anstarrte.
Als sich ihre Blicken schließlich trafen, nahm das Schauspiel im Schattenhain seinen Anfang:
„Cunivieth! Endlich habe ich euch gefunden!“
Der Namenlose streckte vorsichtig seine Hände nach der Elbin aus, eine freundschaftliche und vertraute Begrüßung, wie es schien.
Doch die Elbin, die nach seinen Worten etwas nervös wirkte, trat deutlich einen Schritt zurück und versuchte, das Gesicht des Fremden zu erkennen, die ausgestreckten Hände ignorierte sie dabei völlig.
Als er den Argwohn in den Augen Cunivieths aufblitzen sah, versuchte er sie zu beschwichtigen: „Verzeiht mir, ich bin Garadal, Fürst der Garde des Waldes.“
Und wie er dies aussprach, gab er sich einen Namen und nahm die Kapuze seines schwarzen Mantels ab, sodass die Elbin sein Gesicht hätte erkennen können, wäre sie in diesem Augenblick nicht durch das grelle Sonnenlicht geblendet worden, das nun unnatürlich stark in den Raum fiel, obwohl die einsame Hütte weit abseits aller bekannten Wege tief versteckt im Wald an einem Ort lag, den nur wenige Waldelben kannten und der als Schattenhain bezeichnet wird.
Unwillkürlich trat sie zwei weitere Schritte zurück in den Raum und gab dem Fremden unfreiwillig Platz, sodass dieser die Möglichkeit ausnutzte und einen Fuß zwischen die Tür bekam.
Mit der rechten Hand umfasste er den wackligen Holzrahmen derselben und ging zwei Schritte auf Cunivieth zu.
Diese wirkte nun völlig überrumpelt und spannte ihren Körper an, bereit sich zu verteidigen.
Sie trat drei weitere Meter zurück, um den Abstand zwischen sich und dem fremden Eindringling ihres Hauses zu vergrößern, dann sprach sie zu ihm:
„Niemand außer dem Königshaus weiß, dass ich hier, verborgen im Schattenhain, lebe.
Niemals kam ein Elb namens Garadal zu mir oder wurde vom König des Waldlandreiches zu mir geschickt.“
Cunivieth machte eine Pause und überlegte, wie sie die Situation nun für sich bewerten sollte. Aufmerksam betrachtete sie die Erscheinung des Mannes, der vor ihr stand. Viel konnte sie dabei jedoch nicht erkennen.
Von Statur und Aussehen erkannte sie einen Elben mit langen, schwarzen Haaren, der zur Gänze in einen dunklen Mantel gehüllt war und offensichtlich keine Waffen an sich trug, zumindest konnte sie keine an ihm entdecken.
Währenddessen löste der Mann, der sich Garadal nannte, allmählich seinen Mantel und gab sich durch die darunter aufleuchtende grün-goldene Waldlandrüstung zum Anschein als Fürst der Garde zu erkennen.
Dann nahm er sich einen der zwei Holzstühle, die im sonst eher leer wirkenden Raum herumstanden und stellte diesen so in den Eingangsbereich der Hütte, dass der Stuhl den Weg zur Tür versperrte.
Mit einer geschmeidigen Bewegung setzte sich der fremde Gast auf den Stuhl und blickte Cunivieth in aufrechter Sitzhaltung interessiert an.
Die klapprige Haustür stand immer noch offen.
Der Fremde bemerkte den schnellen Blick Cunivieths, der zur Tür und wieder zurück zu ihm huschte und lachte in sich hinein, dann sprach er langsam an sie gerichtet:
„Ihr habt natürlich Recht, ich komme heute zu euch, um mit eurer Hilfe das Waldlandreich und damit auch euer Heim hier….“
Er blickte sich im Raum um und unterstrich mit einer kreisenden Bewegung seiner Hand die folgende Aussage „…vor einem schlimmen Unglück zu bewahren, denn wir Elben sind alle in großer Gefahr.“
Cunivieth wirkte skeptisch bei diesen Worten und dachte für sich, warum nicht Prinz Legolas oder König Thranduil direkt zu ihr gekommen waren, so wie in den wenigen Malen zuvor, wenn die Sindar sie um Rat ersuchten oder sich nach dem Versteck der Steine erkundigten.
Der Mann in Cunivieths Heim erkannte das Misstrauen der Elbin und seufzte.
„Ihr glaubt mir nicht? Nun, dann werde ich euch von der Wahrheit meiner Worte überzeugen müssen. Während mein König und sein Sohn beschäftigt sind, das Waldlandreich nach den Dieben abzusuchen, schickten sie mich zu euch, um euch in Sicherheit zu bringen.
Ich wurde in das Geheimnis eurer Gaben eingeweiht und sollte euch schnellstmöglich aufsuchen, um euch in Sicherheit zu bringen und auch die Dinge, die ihr hier versteckt aufbewahrt.“
Aufgeregt wühlte der Fremde während seiner Worte in der linken Manteltasche und holte dann einen funkelnden, rosafarbenen Stein hervor, den er einmal emporhielt und dann zwischen sich und Cunivieth auf den Boden legte.
Dann wartete er ab und als er sah, wie Cunivieth reagierte, leuchteten seine Augen vor Freude, denn er wusste, dass er die Elbin von seinen Absichten überzeugt hatte.
Cunivieth begann ihrerseits in das Schauspiel des fremden Gastes einzusteigen und ging mit schnellen Schritten auf den wunderlich gezackten Stein am Boden zu, dabei mimte sie die neugierige Elbin:
„Woher habt ihr diesen Sternenstein bekommen und warum tragt ihr ihn bei euch?“
Der fremde Gast musste bei dieser Frage ein zufriedenes Lächeln unterdrücken und antwortete:
„Nun, ich musste etwas bei mir tragen, das euch von meiner Glaubwürdigkeit überzeugt und uns viel Ärger und Zeit erspart.“
Cunivieth nickte, dann hob sie den Sternenstein auf und steckte ihn rasch in eine ihrer vielen Taschen, die an ihrer Schürze hing.
Für den Bruchteil eines Herzschlags dachte sie für sich, dass dieser Stein leer war, als der Fremde erneut das Wort an sich richtete:
„Ihr seid Cunivieth, die sehende Kräuterkundige aus dem Schattenhain. Ich bin gekommen, um euch im Namen meines Volkes zu beschützen.“
Als er dies sagte, erhob sich der Fremde vom Stuhl und deutete eine kurze Verbeugung seinerseits an. Cunivieth tat es ihm gleich und machte einen Knicks in Richtung des Fremden.
Dann, mit einem bestimmenden Tonfall, sprach sie zu ihm:
„Ja, das bin wohl. Aber ich kenne euch nicht, Garadal, Fürst der Grünwaldgarde. Doch sagt mir, welches Unheil mir droht und ich werde entscheiden, ob ich euch und dem König helfen kann.“
Daraufhin schloss der fremde Gast kurz seine Augen und sprach dann laut und deutlich einen Namen aus: „Valimaro.“
Cunivieth tat überrascht und bedeutete ihrem Gegenüber, weiterzusprechen, was auch geschah.
„Ich brauche eure Hilfe, um das Schicksal von Valimaro zu erfahren, ich muss wissen, was dieser Elb in Zukunft machen wird, denn er ist der Dieb dieser Sternensteine und plant großes Unglück. Ich muss wissen, wo er ist und wie ich ihn vernichten kann.“
Aufmerksam war die Elbin seinen Worten gefolgt und blickte ihn mit ernster Miene an:
„Ich werde euch helfen.“

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Sippe: Meine Sippe sind die Reiter von Balerion

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Dienstag, 9. Januar 2018, 14:55

Kapitelergänzung Kapitel V

Kapitel V - Das Wiedersehen


Bei dem Gedanken, seine Mutter gleich wiederzusehen, nach all den vielen Jahren, die seither vergangen waren, klopfte Valimaros Herz aufgeregt.
Wie würde sie auf seine Heimkehr reagieren? Was war ihr alles widerfahren?
Viele Fragen schossen dem Elben durch den Kopf und dennoch verlangsamte er seine Schritte merklich, denn nun ergriff die Aufregung Besitz von ihm.
Auch Valkas spürte, dass sein Reiter langsamer wurde und begann kräftig zu wiehern, wohl in der Hoffnung, endlich rasten zu dürfen.
Überrascht blickte Valimaro zu seinem Hengst und schüttelte den Kopf:
„Du musst etwas geduldig mit mir sein, mein alter Freund, ich bin etwas nervös vor dem großen Wiedersehen.“
Ein Mensch hätte wahrscheinlich wacklige Knie gehabt und vermutlich vor freudiger Erwartung gezittert, doch Valimaro war die Anspannung äußerlich nicht anzumerken, auch wenn er innerlich zerrissen war, ob vor Aufregung, Angst oder Schamgefühlen, das vermochte nur er selbst zu genau für sich zu wissen.
Und dann kam es in Sicht, das Heim der Maneth, am Ende der letzten Wegkreuzung, welche die zwei vor einer gefühlten Ewigkeit passiert hatten.
Baradan und Garadal hatten nicht viel durch ihre Worte erwarten lassen und so war es auch tatsächlich, denn das Haus von Maneth der Ausgestoßenen lag am äußersten Rand der Waldfestung, fast schon außerhalb davon.
Ein kleines, allerdings sehr ordentlich aussehendes Haus.
Nicht wie die übrigen Familien der Waldelben, die zumeist auf Baumhäusern in den Baumkronen wohnten, sondern ein Haus, das fest auf dem Waldboden stand, aus einfachem Holz gezimmert.
Die Vorfreude Valimaros verschwand augenblicklich, als er mehrere, schwer bewaffnete Soldaten der Garde Thranduils erblickte, die vor dem Haus seiner Mutter postiert waren und die Tür mit ihren Gold verzierten Speeren blockierten.
Es handelte sich dabei nicht um die Grünwaldgarde, die für den Schutz des Reiches verantwortlich war und von Garadal befehligt wurde, nein, diese Soldaten gehörten zur Leibgarde in den Hallen des Königs des Waldlandreiches, es waren die besten und wohlhabendsten Elben unter den zahlreichen Familien der Waldelben, die dort dienen durften.
Alleine ihre bloße äußere Erscheinung machte den Unterschied sehr deutlich, denn alle Soldaten trugen leicht angelegte Lederharnische in rostbrauner Farbe, die sich deutlich von jenen Rüstungen der Grünwaldgarde unterschieden, die grundsätzlich dunkelgrün oder grüngelb eingefärbt waren.
Diese Lederharnische der Leibwachen des Königs, die Valimaro zu Gesicht bekam, waren mit zahlreichen wunderschönen Blätterornamenten und Motiven des Waldes, wie beispielsweise Geweihen, verziert und machten die Zugehörigkeit zur Elite des Waldlandreiches für alle optisch deutlich.
Zusätzlich kennzeichnete der rote Saum, der unter der Lederrüstung hervorguckte, diese Wachen als bedeutende Mitglieder der Palastwache.
Zwischen diesen Soldaten stand ein hochgewachsener Elb mit langen, dunkelbraunen Haaren, die zu einem nach hinten geflochtenen Zopf zusammengebunden waren.
Valimaro wusste sofort, wer dort auf ihn wartete.
Es war Gelir, der befehlshabende Offizier der Leibgarde Thranduils, wenn sich Prinz Legolas nicht im Waldlandreich aufhielt.
Zögerlich stoppte Valimaro und überlegte kurz, was er nun machen sollte.
Doch dann wurde ihm diese Entscheidung abgenommen, als sich Gelir, der von einer der Wa-chen auf Valimaro aufmerksam gemacht wurde, zu ihm drehte und ihn dann zu sich heranwinkte.
Als Valimaro die kurze Strecke zwischen Gelir und sich zurückgelegt hatte, streckte er diesem seinen Arm zur Begrüßung aus.
Diese Geste wurde von Gelir erwidert und beide Elben begrüßten sich kurz und nickten sich zu. Dann sprach der Befehlshaber der Leibgarde des Königs:
„Ich grüße euch Valimaro, ich habe Befehl, euch ohne Umwege in die Hallen des Königs zu führen, ihr erhaltet für euer Anliegen eine sofortige Audienz bei Hofe. Mein König erwartet, dass wir umgehend bei ihm vorstellig werden.“
Mit einer gleitenden Handbewegung deutete Gelir an, dass sie sich direkt auf den Weg zu den Hallen machen sollten.
Valimaro schluckte bei diesen Worten, sollte es wirklich so sein, dass ihm nicht ein einziger Moment des Wiedersehens mit seiner Mutter vergönnt wurde?
Gelir machte sich schon bereit zu gehen und die Wachen an der Haustür taten es ihm gleich. Valimaro zögerte, drehte sich zur Tür des Hauses und dann wieder zur Gelir, der bereits ein paar Meter weiter in Richtung der Hallen gegangen war. Die Wachen folgten ihm.
Dann sprach Valimaro gen Gelir:
„Darf ich mein Pferd Valkas noch hier anbinden und versorgt wissen, bevor wir zu den Hallen aufbrechen? Dort ist kein Platz für ihn, wie ihr wisst.“
Gelir drehte sich zu Valimaro herum und die Wachen blieben stehen, abwartend, wie ihr Offizier auf diesen Einwand reagieren würde.
Nach einem einvernehmlichen Moment zwischen den beiden Elben antwortete Gelir, zunächst zu seinen Männern gewandt:
„Valimaro versorgt seinen Hengst Valkas und wird uns dann folgen. Geht voraus und informiert den Hof, dass wir bald eintreffen.“
Ohne weitere Kommentare schritten die Wachen an den beiden Elben vorbei, um diesem Befehl nachzugehen. Dann, in einem flüsternden Ton, sprach Gelir leise zu Valimaro:
„Vali, ich gebe dir maximal zwei Minuten mit deiner Mutter, danach musst du mir versprechen, dass du von selbst aus dem Haus zu mir trittst. Viele Elben beobachten uns in diesem Augenblick und ich kann keinen Moment länger auf dich warten. Das musst du mir versprechen.“
„Selbstverständlich Gelir, ich danke dir.“ Antwortete Valimaro leise.
Schnell wickelte der Elb die Zügel von Valkas um einen der Holzbalken, sodass der Hengst ausreichend Freiraum besaß, um auf einem kleinen Stück neben dem Haus zu Grasen.
Während er ihn festzurrte und die Satteltaschen von ihm nahm, sprach Valimaro leise mit Valkas und ließ ihn wissen, dass sich seine Mutter schon gut um ihn kümmern würde, damit er seine Audienz im Thronsaal wahrnehmen konnte.
Als dies erledigt war, schritt Valimaro an Gelir vorüber zur Tür des Hauses und öffnete diese, ohne anzuklopfen, dann dafür war keine Zeit in der Eile.

Maneths Augen füllten sich mit Tränen, als ihr einziger Sohn die Türschwelle übertrat und plötzlich in ihrem Heim stand.
Auch Valimaro konnte die glasigen Augen nicht verbergen.
Groß war der Sohn Maneths und seine pechschwarzen, schulterlangen Haare waren zu drei Zöpfen aufgeflochten, die nach hinten abfielen und von kleinen braunen Broschen gehalten wurden, auf denen Blättermotive eingelassen waren.
Seine helle Hautfarbe verlieh dem Elben etwas Makelloses und für Maneth stand das Ebenbild ihres Mannes vor ihr, den sie bereits für immer verloren hatte.
Ohne ein Wort der Begrüßung lief Valimaro auf seine Mutter zu, die einsam an dem langen Esstisch im Raum saß und umarmte diese in tiefer Liebe.
„Ich bin sehr stolz auf dich, mein Sohn, so wie dein Vater auch.“
„Ich habe dich sehr vermisst und bin so traurig, was sie dir wegen meiner angeblichen Verfehlung angetan haben. Das tut mir leid, Mutter. Ich werde dafür sorgen, dass du wieder ein Leben ohne Schande hier führen kannst.“
Bei diesen Worten sank Valimaro auf die Knie und umarmte seine Mutter noch fester, in dem Wissen, sich gleich wieder verabschieden zu müssen.
Ein Klopfen an der Tür zerstörte die Atmosphäre des Wiedersehens.
Valimaro wehrte sich unbewusst gegen das Lösen dieser festen Umarmung und ignorierte das erste Klopfen geflissentlich.
„Vali, du musst nun mit ihnen gehen, ich werde hier auf dich warten, ich habe solange gewartet und immer Hoffnung gehabt, da werde ich die wenigen Stunden, die jetzt noch vor mir liegen, auch noch auf dich warten können.“
Bei diesen Worten löste sich Valimaro zufrieden aus der Umarmung und blickte anerkennend zu seiner Mutter, die sich die Tränen aus dem Gesicht wischte.
„Ich habe meinen schwarzen Hengst, sein Name ist Valkas, draußen vor dem Haus angebunden. Kannst du dich bitte um ihn kümmern? Er ist etwas müde und bräuchte frisches Wassers und vielleicht etwas Hafer, um wieder zu Kräften zu kommen.“
Maneth nickte und berührte mit der linken Hand das Kinn ihres Sohnes.
„Du hast immer noch dieselben klaren Augen deines Vaters und sie sind so grün, als hätte man die schönsten Blätter des Grünwaldes ausgesucht und in deine Augen gelegt.“
Valimaro lächelte bei diesem Vergleich und richtete sich auf.
Ein zweites, kräftigeres Klopfen war nun von draußen zu hören.
Die beiden Elben drehten sich zur Tür. Dann sagte Valimaro ernst:
„Ich beeile mich Mutter und dann können wir unser Wiedersehen in Ruhe begehen, ich habe dir so viel zu erzählen.“
Vorsichtig ergriff Valimaro die Hand seiner Mutter und küsste sanft deren Handrücken.
Dann machte er kehrt und schritt zur Tür hinüber.
Maneth sah ihrem Sohn nach und flüsterte mehr zu sich selbst:
„Und bleibe ruhig im Thronsaal und besonnen, erhebe nicht deine Stimme und kehre sicher wieder zu mir zurück.“
Mit einem tiefen Ausatmen öffnete Valimaro die Haustür und kam Gelir zuvor, der bereits vor ihm stand und gerade ansetzen wollte, um ein drittes Mal zu klopfen.
Valimaro ging stumm an ihm vorbei und signalisierte, dass er nun bereit zur Abreise war.
Gelir drehte sich zu ihm und beide Elben gingen nebeneinander den Weg in Richtung der Hallen des Königs.
Dann, ohne den Blick direkt gen Gelir zu richten, fragte Valimaro trocken:
„Nur so aus Neugierde Gelir, was hättest du eigentlich gemacht, wenn ich nach dem dritten Klopfen nicht aus dem Haus gekommen wäre?“
Gelir schmunzelte nur und antwortete nicht auf diese Frage.
Schweigend gingen die beiden Elben nebeneinander her und sprachen kein Wort mehr miteinander.

Valimaro

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Mittwoch, 10. Januar 2018, 00:16

Kapitelergänzung Kapitel VI

Kapitel VI - Die Königshöhle


Als die beiden Elben den Ostrand des Waldlandreiches erreichten, versuchte sich Valimaro auf das zu konzentrieren, was er dem König gleich vortragen wollte, um wieder in seiner Heimat willkommen zu sein und dem Schicksal zu entgehen, das ihm beim Scheitern bevor bestimmt sein sollte.
Die hohen Steintore, unter denen rauschend der Nachtwaldfluss zu hören war, kamen nun in das Sichtfeld von Gelir und Valimaro, die während des ganzen Weges nicht ein einziges Wort miteinander gewechselt hatten, als wäre der zurückkehrende Elb ein Feind des Waldes, dem man nicht zu viele Informationen verraten wolle.

Die Hallen von König Thranduil waren ein weit verzweigtes Höhlensystem, das sich weit in die östlichen Waldhügel des Grünwaldes erstreckte und dabei nicht allzu tief in die Berge hinein reichte, wie es bei den Zwergen oder Orks der Fall gewesen wäre.
Niemand, bis auf das Königshaus selbst, wusste, wer die Höhlen einst in den Fels geschlagen hatte oder ob diese natürlichen Ursprungs waren und lediglich von den Waldelben in Besitz genommen wurden.
Allerdings boten die Hallen des Königs für das Volk Thranduils einen optimalen Schutz vor Feinden, falls sich das Waldlandreich einmal in großer Gefahr befinden sollte.
Begrenzt wurde diese „Königshöhle“, wie Bilbo Beutlin sie in seinen Schriften und Aufzeichnungen bezeichnet, durch den großen Nachtwaldfluss, der sich bis nach Esgaroth weit im Südosten erstreckte und den Waldelben vor allem als wichtige Handelsroute mit den dort lebenden Waldmenschen dient.
Dieser Fluss war nur über eine schmale Brücke zu überqueren, die von der Leibgarde Thranduils, den gleichen Soldaten, die vor Maneths Haus auf Valimaro gewartet hatten, bewacht wurde.
Die vier Soldaten, von denen jeweils zwei vor und zwei hinter der Elbenbrücke positioniert waren, machten keine Anstalten, die beiden Elben nicht über die Brücke ziehen zu lassen, sie rührten sich nicht einmal, als Valimaro sie mit einem kurzen Nicken anerkennend begrüßte.
Als die Elben auf Höhe der Mitte der Brücke standen, drehte sich Valimaro unwillkürlich nach links und war erstaunt von der wunderschönen Aussicht, die sich ihm plötzlich an dieser Stelle bot.
Breit und mächtig schlängelte sich der schnell fließende Nachtwaldfluss durch den Wald, der an beiden Ufern in großen Steilhängen nach unten abfiel und das Gewässer zu beiden Seiten begrenzte.
Valimaros Blick folgte dem Fluss Richtung Nordwesten, wo er schmaler wurde und schließlich in der Ferne verschwand. Weit im Westen konnte der Elb die Ausläufer des Grauen Gebirges erkennen, die mit ihren schneebedeckten Bergkuppen diesem Ausblick etwas Erhabenes verliehen.
Allerdings war Gelir bereits weitergegangen und wartete sichtlich ungeduldig auf seinen Begleiter.
Auf der anderen Seite der Elbenbrücke wurde ein großes Fallgitter hochgezogen, das in den Stein eingelassen und mit vielen Blättermotiven und allerlei sonstigen Verzierung äußerlich beschmückt war.
Nachdem die zwei diesen ersten Abschnitt der Hallen hinter sich gelassen hatten, führte Gelir den Heimkehrer durch die lange Eingangshalle, die selbst jetzt, nach all den vielen Jahren, noch genauso viel Eindruck auf Valimaro machte, wie damals, als er sie zu seiner Anklage im Thronsaal das erste Mal aus nächster Nähe gesehen hatte.
Bei dem Gedanken, hierher gebracht worden zu sein, um dann verstoßen zu werden, verhärtete sich der Gesichtsausdruck des Elben und er dachte an das Unrecht, das ihm hier widerfahren war und welches er nun zwar nicht ungeschehen machen konnte, allerdings aufklären wollte.
Die Hallen des Königs waren, so erzählten sich die ältesten Sindar im Grünwald, den sagenhaften Hallen eines Elbenkönigs nachempfunden, dessen Namen Valimaro nicht kannte, der aber für die wissenden Elben Mittelerdes als weiser Herrscher Doriaths und Gemahl Melians bekannt war.
Zwar wirkten die Höhlen des Waldlandreiches bei Weitem nicht so prächtig wie die Hallen Menegroths, dem ehemaligen Herzstück Doriaths, aber die Sindar, die einst unter Oropher, dem Vater Thranduils, hierher gekommen waren, taten alles Nötige, um diese Höhlen zu einem wunderschönen und belebten Ort zu gestalten, der einen Vergleich mit dem Schaffen ähnlicher Elbenreiche nicht zu scheuen brauchte, auch wenn andere Elbenvölker aus Neid oder Unwissenheit etwas anderes behaupten mögen.
Riesige Wurzeln verdichteten sich an den Wänden der zahlreichen Hohlräume, an denen die Elben vorbeischritten und sorgfältig waren nach wenigen Metern Öllampen zu erkennen, die bernsteinfarbig schimmerten und zusammen mit dem wenigen Tageslicht, welches durch kleine Spalten in den Steinen von oben herab schien, die Hallen ausleuchteten.

Nach vielen Treppen und zahlreichen Stufen, welche die Hallen Thranduils in mehrere größere Bereiche unterschiedlichster Nutzung unterteilten, erreichten die beiden Elben endlich den kunstvoll gestalteten Vorraum am oberen Ende der Höhlen, der unmittelbar vor dem Thronsaal des Königs lag.
Gelir blieb stehen und blickte das erste Mal, seitdem ihm vor dem Haus von Maneth eine unbeantwortete Frage gestellt worden war, direkt zu Valimaro und sprach zu diesem:
„Wir sind spät dran Vali, ich werde dich nun zu König Thranduil geleiten.“
Nach diesen gewichtigen Worten öffnete der Elb die große Tür des Thronsaals und trat, dicht gefolgt von Valimaro, als Erster in den weitläufigen Raum, der das Zentrum der Macht im Waldlandreich symbolisierte.
Das Erste, was Valimaro ins Auge fiel, waren die zahlreichen hochrangigen Mitglieder der wichtigsten Elbenfamilien, die im Waldlandreich lebten und nun alle hier versammelt zu beiden Seiten des, für eine derartig hohe Anzahl an Elben doch recht klein wirkenden Raumes, aufgereiht waren.
Und alle waren sie gekommen: die Familien Silberzweig, Mondschein und Weißhaupt erkann-te Valimaro zu seiner Rechten, die Familien Mohnkranz, Sternenschar und Nachtschatten zu seiner Linken. Auch die ihm zutiefst feindlich gesinnte Familie der Schwarzdorns war unter den anwesenden Elben und musterte ihn finster.
Ganz am Ende des Saals saß der Elbenkönig des Waldlandreiches auf seinem majestätischen Thron, der aus dem Stamm einer riesigen Buche geschlagen worden war und am Kopfende mit einem gewaltigen Hirschgeweih auf jeden Bittsteller imposant wirken musste.
Beim Anblick Valimaros richtete sich Thranduil etwas auf, ohne dabei seine bequeme Sitzhaltung merklich zu verändern oder gar aufzustehen.
Sein langes, seidig elfenbeinfarbiges Haar fiel dem König vorne und hinten über die schmalen Schultern und verlieh der äußeren Erscheinung des Sindarfürsten zusammen mit seiner Krone aus Buchenblättern und verschiedenen Waldbeeren, die er auf dem Haupt trug, besondere Eleganz und Anmut.
In seiner rechten Hand hielt Thranduil einen kunstvoll verzierten weißen Eichenstab mit einem Hirschkopf an der Spitze, seine linke Hand ruhte regungslos auf einer der Armlehnen des Buchenthrones.
Die hellbraunen Augen des Königs musterten die eingetroffenen Elben und Thranduil gab Gelir das Zeichen, dass beide nun vor ihn treten sollten, in dem er sich kurz mit seinem Kopf nach vorne und wieder zurück bewegte.
Gelir folgte diesem stummen Befehl und schritt mit Valimaro im Schlepptau durch den Thronsaal auf den König zu, vorbei an allen neugierigen Augenpaaren der vielen Elben.
„Nun beginnt es also“, sprach Valimaro leise zu sich selbst und senkte aufgeregt den Blick zu Boden, damit er niemanden der Familien verärgerte.
Wenige Meter vor dem Buchenthron hielten beide Elben inne und knieten sich vor Thranduil nieder.

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Mittwoch, 10. Januar 2018, 15:08

Kapitelergänzung VII

Kapitel VII - dýr athal


Bei den Worten Cunivieths entspannte sich die Haltung des fremden Gastes, der sich Garadal nannte, denn er wusste nun, dass er sein Ziel erreicht hatte.
Die Anspannung in ihm legte sich etwas und er wirkte sichtlich zufrieden und gelassen.
Die Elbin, die er nun als deutlich ruhiger empfand, nahm den zweiten Holzstuhl im sonst leeren Raum ihres Holzhauses und setzte sich dem Fremden gegenüber, sodass sie sich unterhalten konnten.
Mit ihren Gedanken war Cunivieth an einem anderen Ort und zum äußeren Anschein versuchte sie, ihre Nervosität und ihr Herzrasen vor ihrem Gast zu verbergen.
„Was kann ich also für euch tun?“, fragte sie ihn gerade heraus und versuchte, die Gesichtskonturen des Mannes zu erkennen, der sein Antlitz seit der flüchtigen Begrüßung an der Eingangstür, erneut unter dem schwarzen Gewandt verbarg, als würde er sich vor Cunivieth verstecken wollen.
Ihr Gegenüber legte den Kopf schräg und entgegnete der Elbin prompt:
„Ich brauche Einsicht in das Schicksal des Elben Valimaro und zwar dringend. Die Zeit eilt Cunivieth.“
Die Elbin nickte leicht und überlegte kurz, was sie ihm antworten könnte, um etwas Zeit zu schinden, schließlich sprach sie zu ihm:
„Nun, es wird eine Weile dauern, denn ich muss über diesen Elben meditieren und mir dazu ein paar Kräuter zusammenbrauen, die mir helfen werden, einen tieferen Ein-blick in sein Schicksal zu erhalten. Ihr könnt hier warten und solltet mich nicht dabei stören.“
Als sie dies sagte, versuchte Cunivieth, ihre Worte gelassen, doch gleichzeitig bestimmt, klingen zu lassen.
Und in diesem Augenblick huschte ein Hauch von Misstrauen über die falsche Miene des Fremden, doch das konnte Cunivieth nicht sehen, denn seine Mimik blieb für sie im Dunkeln seiner schwarzen Kapuze unbemerkt.
Ihr Gegenüber nickte leicht.
„Ich verstehe, geht ruhig eure Kräuter mischen, ich will euch nicht dabei stören oder noch mehr Zeit vergeuden, wir müssen heute noch in da Waldlandreich zurückkeh-ren.“
Mit einer einladenden Handbewegung deutete der Mann auf den hinteren Bereich des Raumes, an deren Wand ein Türrahmen eingefasst war, der einen Durchgang zu einem dahinter liegenden Bereich des Hauses erkennen ließ.
Cunivieth erhob sich bei dieser Geste und ging langsam in Richtung ihrer Kräuterstube, wie sie zu sagen pflegte, ohne sich nochmals nach dem Fremden umzudrehen.

Dieser durchsuchte eilig mit seinen kalten Augen alle Ecken des Raumes und versuchte, einen Hinweis auf das zu erspähen, weshalb er eigentlich hier war.
Als Cunivieth aus seinem Sichtfeld verschwand, erhob sich der Fremde leise und tastete mit seinen Händen die Wände ab, als ob dahinter mögliche Hohlräume oder Ver-stecke angebracht wären.
Die Zeit verging.
Immer wieder überlegte er nachdenklich und angestrengt, wo sie hier nur verborgen sein mochten.
Und die Zeit verstrich.
Er legte sich zuletzt sogar seitlich auf den Boden des Hau-ses und horchte angestrengt, ob es womöglich einen Keller gab, wo sich hätte etwas unterbringen lassen.
Und die Zeit arbeitete für Cunivieth.
Wo er da so lag, unbeobachtet in dem sonst leeren Raum des Hauses, nistete sich ein schrecklicher Gedanke in seinen Geist ein und seine Miene verhärtete sich augenblicklich finster.
Und die Zeit war abgelaufen.

Langsam und leise erhob sich der fremde Gast, der sich Garadal nannte und blickte böse zum türlosen Rahmen im hinteren Bereich des Hauses, wo Cunivieth vor einer ge-raumen Weile verschwunden war und von dem das Flackern eines warmen Feuers ausging.
Leise drang die Stimme von Cunivieth aus diesem Teil des Hauses an seine Ohren.
Dort sang die Elbin mit trauriger Stimme ein Lied, das niemanden außerhalb des Grünwaldes bekannt ist und das nur die Wenigsten unter den Waldelben kennen.
Doch diesen ist das Lied als das „Herz der Bäume“ bekannt, ein eigentlich fröhliches Liebeslied, das vom Suchen und Finden der Liebe im Nachtwald berichtet.
Aber niemals wurde es trauriger gesungen als in diesem Moment, als Cunivieth einsam in ihrer Kräuterstube stand und die Strophen vor tiefen Schluchzern fast verschluckte.
Als der fremde Gast auf einmal hinter ihr im Türrahmen stand, knarzte er absichtlich laut auf den Holzdielen, damit die Elbin seine Anwesenheit auch bewusst wahrnahm.
Doch Cunivieth kümmerte sich nicht um ihn, sie stand mit dem Rücken zur Tür, direkt vor dem großen Kamin und warf mit der linken Hand fast geräuschlos Gegenstände in das Feuer vor ihr.
Bei jedem weiteren Gegenstand schreckte das Feuer kurz auf, die Flammen leuchteten anschließend bläulich-blass und wechselten dann in die bekannten rotgelben Farben zurück.

„Was tut ihr da?“ bemerkte der Mann erbost hinter ihr und trat zwei Schritte in den Raum.
Cunivieth hörte auf zu singen.
Die letzten Tränen liefen ihr über die Wangen und tropften auf ihre Schürze nieder, dann schluchzte sie noch einmal kräftig, bevor sie ihm antwortete:
„Als ihr vorhin seinen Namen sagtet, da war ich mir ganz sicher.“
Der fremde Mann streifte sich vorsichtig seinen Mantel ab, er fiel lautlos zu Boden.
Noch ein Gegenstand wurde in die Flammen geschleudert.
Das Feuer zischte.
„Wo sind die Steine?“
Seine Stimme klang nun lauter und er wirkte zu allem entschlossen.
„Ihr habt euch schon vorher verraten, wisst ihr das? Denn niemals würde ein Elb den Wunsch äußern, einen seines Volkes zu Morden. Schon gar nicht die Sindar.“
„Tretet sofort vom Feuer zurück.“
Der Mann ging zwei weitere Schritte auf Cunivieth zu.
Sie berührten sich fast.
„Ihr seid nicht Garadal von der Grünwaldgarde. Ihr seid ein Lügner und Mörder.“
Als sie diese Worte aussprach, drehte sich Cunivieth zum fremden Gast herum, der für sie nun keinen Namen mehr besaß.
Der Namenlose stand direkt vor ihr und sie konnte in seine kalten Augen blicken, sie waren pechschwarz ohne Iris, genauso wie die mondlose Nacht.
Der Anblick des Fremden flößte selbst Cunivieth, die schon vieles Schreckliche dieser Welt gesehen hatte, furchtbare Angst ein.
Der fremde Gast ergötzte sich an der Furcht der Elbin und lachte laut auf.
Doch diese Begeisterung kam abrupt zum Erliegen, als er sah, was Cunivieth in ihrer linken Handfläche fest umklammerte.
Ihr Blick folgte dem seinigen. Nun lächelte sie.
„Ich wusste sofort, warum ihr an meine Tür klopft. In all den vielen Jahren wart ihr nicht der Erste, der sich nach den Sternensteinen erkundigt, dýr athal.“
Eine kurze Pause entstand.
Dann sprach sie an ihn gerichtet weiter.
„Doch traf ich in all den vergangenen Jahren auf nieman-den, der so moralisch verkommen war wie ihr heute.“
Fassungslos blickte der falsche Gast zum Sternenstein, den Cunivieth in ihrer Hand hielt und dann zum Feuer.
Dann folgte ein heftiger Schlag, anschließend ein lautes Krachen.
Der Namenlose schleuderte Cunivieth mit einem Hieb seines Armes zur Seite und sie flog quer über den Tisch durch den Raum, der mit sämtlichen Flaschen und Phiolen vollgestellt war und landete auf der anderen Seite der Kräuterstube.
Blut lief ihr über die Stirn und tropfte schließlich auf den Boden.
„WAS HABT IHR DA NUR GETAN, ELBENWEIB?“
Brüllte der falsche Gast entsetzt in die Flammen.
Das Feuer knisterte ruhig.
Cunivieth richtete sich auf und wischte sich das Blut aus ihrem Gesicht.
Der falsche Gast sprach weiter:
„Wie ist es euch gelungen, die Sternenstein zu verbrennen? Das ist unmöglich! Antwortet mir und ich werde eurem Leben ein schnelles Ende bereiten, ohne weitere Schmer-zen für euch.“
Ihre Blicke trafen sich.
Mit fester Stimme antwortete die Elbin:
„Ich bin Cunivieth, die Gelehrte und Sehende, ich muss mich nicht vor einem dýr athal erklären.“
Stolz war ihren Worten zu entnehmen.
Der falsche Gast legte den Kopf schief und starrte die Elbin fasziniert an, dann entgegnete er:
„Ihr wisst nicht, wer vor euch steht, Cunivieth. Ich kann euch Qualen zufügen, die alles, was ihr bisher an Schmerzen ertragen habt, weit übersteigen.“
„Niemals werde ich mich euch oder euren vermeintlichen Kräften beugen.“
Ein tiefes, düsteres Lachen erfüllte das Haus und drang tief in den Kopf der Elbin.
„Ihr habt mit eurem Kräutergemisch die Kraft des Feuers so verändert, dass die Flammen in der Lage sind, die Sternensteine zu zerstören. Ein feiner Trick. Wirklich bemerkenswert.“
Der Namenlose klatschte zum Spott in die Hände und schritt auf Cunivieth zu.
„Jetzt sagt mir endlich, wo ich die übrigen Sternensteine finde und ich werde euch von eurem Leid erlösen.“
Als der falsche Gast nur noch wenige Schritte von Cunivieth entfernt stand, griff diese in eine ihrer Schürzentaschen und schleuderte dem Fremden ein kleines Fläschchen, das randvoll mit einer dunklen Flüssigkeit gefüllt war, in sein Gesicht.
Das Glas zerbrach sofort und das Wasser entfaltete seine Wirkung.
Der falsche Gast schrie auf, als das Düsterwasser des verzauberten Waldflusses sein Antlitz benetzte.
„WAS IST DAS?!“
Er schleuderte mit den Armen um sich.
Dann hielt er sich die Hände vor die Augen und versuchte, sich die Flüssigkeit aufgeregt und panisch abzuwischen.
Das Düsterwasser zeigte Wirkung.
Cunivieth nutzte diesen kurzen Moment, um aus dem gegenüberliegenden Regal eilig weitere Phiolen mit Düsterwasser zu entnehmen, dann sprang sie in wenigen Sätzen in Richtung des Fremden und warf ihm alle vorhandenen Glasphiolen auf seinen Kopf.
Die wenigstens trafen das Gesicht, viele zersprangen auf dem Boden oder klatschten an die Wand hinter dem Namenlosen. Doch einige trafen ihn dennoch.
Der Namenlose schrie erneut auf und suchte mit seinen zugeschwollenen Augen die Elbin im Raum.
Diese stand dicht neben ihm und erkannte, dass nun ihr Moment zur Flucht gekommen war.
Unwillkürlich fielen ihr die Sternensteine wieder ein, die ihr Feind unter gar keinen Umständen in seinen Besitz bekommen durfte.
Schnell versuchte sie zum Kamin zu gelangen, das Ziel war nahe.
In Sekunden wäre sie dort.
Doch dann packte er sie und warf sie vor dem Kamin auf zu Boden.
Er drehte sich in einer einzigen Bewegung auf den Rücken, sodass sie ihn sehen konnte.
Anschließend drückte der falsche Gast die Elbin weiter nach unten und beugte sich triumphierend über sie, während er ihre Arme und mit den seinigen festhielt.
„Nun werde ich dir zeigen, was es heißt, wahrhaftige Schmerzen zu empfinden.“
Cunivieth spuckte dem Namenlos ins Gesicht und antwortete:
„Und dennoch werde ich meine Gabe und mein Wissen mit in mein Grab nehmen und ihr werdet auf ewig ein Getriebener sein, unwissend, welches Schicksal euch vorher-bestimmt sein wird.“
Bei diesen Worten weiteten sich die dunklen Pupillen des Mannes und er wusste, dass sie Recht behielt.
Doch dann legte er langsam seine Handflächen um den Hals der Elbin und sprach:
„Aber wenigstens kann mir euer Geist die Standorte der Sternensteine verraten, die ihr noch zu beschützen versucht.“
„Niemals, das werde ich euch niemals verraten.“
„Ihr müsst auch gar nicht zustimmen, Cunivieth, denn wisset dies, törichtes Elbenweib, nicht nur ihr habt Gaben, ich kann mich eurer Gedanken bemächtigen mit einem feinen Trick.“
Der Namenlose drückte seine Knie auf die ausgestreckten Arme der Elbin und schloss die Handflächen fest um ihren Hals, ohne sie dabei zu würgen.
Dann murmelte er wenige Worte in einer Sprache, die noch nie zuvor in Cunivieths Heim ausgesprochen worden waren.
Die Elbin erkannte die Sprache und versuchte, sich zu wehren, doch die Umklammerung des Namenlosen war zu stark.
Dann nahm er die Handflächen von Cunivieths Hals und an ihren Stellen traten nun kreisförmige Male, welche die Haut an diesen Punkten dunkelrot verfärbten.
Ein starker Schmerz durchzog den Körper der Elbin, die allerdings nicht aufschrie, sondern sich gegen das Eindringen in ihren Geist zur Wehr setzte.
Der fremde Gast betrachtete das Leid Cunivieths und sprach gelangweilt:
„Wehrt euch nicht, einfältige Cunivieth, es hat keinen Sinn und bereit euch nur noch größere Qualen auf dem Weg in euer Grab.“
Der Namenlose stellte sich über die sich am Boden windende Elbin und lächelte zufrieden. Währenddessen krümmte sich der Körper Cunivieths vor Schmerzen und sie spürte, wie die Stimme des Namenlosen langsam in ihren Verstand eindrang und von ihren Gedanken Besitz ergriff.
Sie wehrte sich. Mit jeder Faser ihres Geistes.
Doch der Schmerz ließ sie kaum noch einen klaren Gedanken fassen.
Ausgeliefert drehte sie ihren Kopf unter großen Anstrengungen in die Richtung der Eingangstür.
Der falsche Gast holte die letzten Sternensteine aus den Taschen der Schürze und trat vor den Kamin.

Dann flog die Eingangstür auf und begleitet vom ersten Schimmer der Dämmerung stand er da, Valimaro, der Wächter vom großen Grünwald in stählernder Pracht.
Er wusste sofort, was er zu tun hatte.
Valimaro hastete mit erhobenen Schild quer durch den Raum direkt in die Kräuterstube und rannte mit voller Wucht seines Schildes gegen den falschen Gast, der sich gerade überrascht nach dem Elben umgedreht hatte und nun in den Kamin geschmettert wurde.
Die Flammen erloschen kurz.
Dunkelheit herrschte im Haus.
Dann loderte das Feuer umso gewaltiger auf und der Na-menlose stieg gebadet in einem Flammenmeer aus dem Kamin.
Aber es waren keine Schreie von ihm zu hören.
Valimaro beugte sich über Cunivieth und hielt in Abwehrhaltung seinen Schild über die Elbin und sich.
Feuer preschte gegen den Schild des Elben und der falsche Gast versuchte, das Schild am oberen Rand aus Valimaros Händen zu reißen.
Dieser drückte sich gegen die Kraft des Namenlosen und ließ sich nicht entmutigen.
„Was seid ihr nur für eine Art Feind?“, brüllte Valimaro unter seinem Schild in Richtung der Flammen.
„Dein Letzter.“, antwortete der Namenlose.
Die Zeit verging nicht.
Valimaros Kraft begann zu schwinden und er drehte den Kopf hinunter zu Cunivieth, die apathisch dicht neben ihm zappelte.
Erschrocken bei diesem Anblick war der Elb kurz unkonzentriert.
Ein Ruck und das Schild flog durch den Raum, jetzt stand der flammende Namenlose vor den beiden Elben, bereit, beide in einem Flammenmeer zu verschlingen, das ihn vollständig umgab.
Ohne einen weiteren Gedanken zog Valimaro sein Schwert, trat einen Ausfallschritt nach vorne und stach dem Namenlosen in den von Flammen umhüllten Körper.
Tief drang dabei seine Klinge und Valimaro musste sein Gesicht wegdrehen, um nicht selbst von der Hitze oder gar den Flammen erfasst und verbrannt zu werden.
Der falsche Gast taumelte nach hinten.
Valimaro drückte sich vom Griff des Schwertes nach hin-ten ab und schubste sein Gegenüber dadurch ein Stück weiter nach vorne.
Die Zeit verging nicht.
Hastig wand sich der Elb ab vom falschen Gast und kniete sich neben Cunivieth, um diese vorsichtig auf seine Arme zu schieben und dann nach draußen trage zu können.
Schnellen Schrittes trug Valimaro Cunivieth vor die Haustür und blickte ein letztes Mal zurück zum Haus.
Durch die Eingangstür konnte der Elb weiter hinten erkennen, dass die gesamte Kräuterstube in Flammen stand und das Feuer bereits die äußeren Wände auf das Dach hinauf kroch.

Er legte Cunivieth sanft auf eine kleine Grasstelle vor der Tür nieder und stützte mit seiner rechten Hand ihren Nacken.
„Vali, Vali…“, die Elbin verschluckte aufgeregt die Worte und versuchte, den Elben mit ihren zittrigen Händen zu berühren.
Valimaro drückte Cunivieth vorsichtig an sich, unwissend, was mit ihr geschah.
„Nein, …., nein…“, flüsterte die Elbin aufgeregt zu ihm.
„Die Schmerzen, ich habe fürchterliche Schmerzen.“
Die letzten Sätze sprach die Elbin etwas deutlicher.
Die Zeit arbeitete gegen Cunivieth.
„Ich weiß nicht, was ich machen soll, sag mir was ich tun muss.“, brachte Valimaro voller Angst und Sorge hervor.
„Er weiß schon zu viel, zu viele Gedanken.“
Cunivieth nahm eine Hand Valimaros und führte sie zu ihrem Hals.
Erst jetzt bemerkte der Elb die roten Kreise auf ihrer Haut.
„Was hat er dir bloß angetan? Ich weiß nicht, ob ich dich so schnell ins Waldlandreich tragen kann.“
Der Vorraum des Hauses stand nun in Flammen.
Valimaro blickte zurück.
„Zu viele Gedanken, ich werde sterben.“
Bei den letzten Worten drückte Valimaro die Elbin fester an sich, in dem Wissen, hilflos zu sein.
Verzweiflung ergriff nun Besitz von ihm.
„Zu viele Gedanken, ich sterbe.“
„Was soll ich denn nur machen?“
Langsam wog der Elb seine Freundin auf und ab und voller Panik liefen die Tränen seine Wangen hinunter.
„Die Schmerzen, er weiß zu viel.“
Mit letzten Kräften löste sich Cunivieth aus den Armen des Elben und blickte ihn ernst an.
„Die Steine. Du musst sie finden, vor ihm. Ich habe ihm noch nichts über sie verraten.“
Valimaro drehte sich erneut zum Haus, das nun fast komplett in Flammen stand.
„Er ist tot, du wirst sehen, es wird alles wieder gut werden.“
Cunivieths Augen wurden bei seinen Worten größer.
„Nein, er ist nicht tot, er weiß bescheid, er weiß gleich über die Steine bescheid.“
„Was soll ich machen?“
Ein Lärm war von Süden her zu hören, aus dem Valimaro vorhin zu Cunivieth geeilt war.
„Bitte erlöse mich, bevor er alles weiß.“
Verwundert blickte der Elb zu Cunivieth, die sich nun etwas aufrichtete und seinem Blick entschlossen stand hielt.
Valimaro schüttelte deutlich den Kopf.
„Ich sterbe Vali. Ich habe furchtbare Schmerzen.“
Tränen liefen dem Elben schneller über sein Gesicht und tropften auf Cunivieth nieder.
„Tu es bitte, ich muss sterben, er weiß zu viel. Ich darf ihm nicht auch noch alle Geheimnisse verraten. Die Steine darf er nicht finden. Ich habe die meinen alle zerstört.“
„Was soll ich ohne dich machen?“
Die Zeit war abgelaufen.
Cunivieth wölbte ihren Körper vor Schmerzen.
„Die Schmerzen, die Schmerzen. Hilf deinem Volk. Hilf mir, bitte.“
Das Haus stand nun völlig in Flammen.
Die Stimmen waren nur noch wenige hundert Meter von den beiden Elben entfernt.
Ein letzter Blick zwischen ihnen.
Dann legten sie kurz die Stirn aneinander und schlossen für einen Herzschlag ihre Augen.
Beim nächsten Herzschlag nickten sie einander zu und Valimaro suchte immer noch verzweifelt nach einem Ausweg.
Den es nicht gab.
„Tu es, Vali. Jetzt.“
Der Wächter des Grünwaldes schloss voller Angst und Trauer erneut seine Augen und zog Cunivieths Körper dicht an sich heran, während er mit der anderen Hand einen seiner Dolche tief in die Brust der Elbin bohrte.
Es war schnell.
Die Leiden Cunivieths hatten ein Ende.
Die Leiden Valimaros sollten mit diesem Dolchstoß nun beginnen.
Mit den letzten Worten flüsterte Cunivieth dem Wächter noch etwas ins Ohr, das nur für ihn bestimmt war.
Dann wich das Leben aus ihr.
Valimaro, der sah, dass das Licht in den Augen Cunivieths erloschen war, gab seinen Gefühlen freien Lauf.
Er weinte.
Voller Trauer und ungeachtet der Elben, die auf den Weg vor das Haus traten.
Zuerst Baradan, sein Schildbruder. Dann Garadal, der Wächter der Grünwaldgarde und viele weitere Waldelben, die die Rüstungen der Wächter angelegt hatten.
Was sie sahen war ein trauernder Elb mit blutverschmierten Dolch in der Hand, der sich auf Knien über den Leichnam einer Elbin beugte, die sie noch nicht kannten.
Und als die sichtbaren roten Ringe am Hals Cunivieths verschwanden, mochte es den Anschein haben, hier wäre ein großes Unrecht geschehen.
Denn kein Lebewesen war dort, um die Geschehnisse bezeugen zu können.
Und keine Schuld wog hier schwerer als der Mord an einem Waldelben.
Hart würde das Urteil in den Hallen des Königs ausfallen.
Doch das alles war Valimaro in diesem Moment nicht klar, mehr noch, es war ihm egal.
Er dachte an Cunivieth und wog ihren Leichnam vorsichtig und in voller Trauer sanft in seinen Armen.

Valimaro

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Mittwoch, 10. Januar 2018, 22:57

Kapitelergänzung VIII

Kapitel VIII - Die Freunde


„Schneller Baradan…, du bewegst dich ja langsamer als die Schnecken an den Bäumen.", rief Valimaro seinem Freund lachend hinterher, der sich nur wenige Meter hinter ihm durch die Sträucher und Gräser zwängte, die hier sehr dicht standen und die Orientierung deutlich behinderten.
Sie waren bereits eine geraume Zeit lang, weit abseits aller bekannten Wege, durch die verborgenen Regionen ihrer Heimat gestreift und wollten die nordwestliche Grenze des Waldlandreiches erkunden, so, wie sie es bereits dutzende Male an anderen Stellen des Grünwaldes getan hatten.
Beide Elben trugen leichte, kastanienbraune Kleidung anstelle ihrer eigentlich beschwerlichen Wächterausrüstung, da diese bei solchen Unternehmungen nur stören und sie im Wald aufgehalten hätte.
Weil der Waldboden in Verbindung mit den Baumstämmen einen ähnlich bräunlichen Farbton besaß, erleichterte die Kleidung der Elben ihre Erfolgsaussichten in den Jagd-gebieten immens.
Während sich Valimaro vorsichtig und fast geräuschlos durch das Unterholz bewegte, um seine Anwesenheit für einen Wolf, ein Wildschwein oder gar Schlimmeres in die-sem Waldstück zu verbergen und einer solchen plötzlichen Begegnung vorzubeugen, tat Baradan nicht einmal so, als ob er sich Mühe geben würde, sich diesem lautlosen Betragen anzuschließen.
Stattdessen stapfte der Wächter ohne Bedacht durch das Wurzelwerk und das in einer Lautstärke, das Valimaro ihm spürbar genervt zurief:
„Dich hören sogar die Zwerge in ihren Höhlen im Grauen Gebirge, so viel Lärm machst du hinter mir.“
Baradan, der jüngere der beiden Wächter, verzog sichtlich das Gesicht, als er bemerkte, dass sie bereits soweit vorgedrungen waren, dass er, abgesehen von sich, keinerlei Geräusche, nicht einmal das Rauschen der Bäume hören konnte.
Nachdenklich blieb er stehen und sprach zu seinem Freund:
„Vali, wir sind zu weit nach Nordwesten vorgedrungen, es ist uns untersagt, die nördlichen Gebiete jenseits der letzten Kalkbuchen zu betreten.“
Mit seinem Elbenschwert, das er stets bei sich trug, deutete Baradan auf die Bäume um sie herum – es waren nur noch wenige Rotbuchen zu erkennen, dafür waren deutlich die vielen hohen Eichen zu erkennen, die überall vor und neben den Elben aufgereiht standen.
Der Schattenhain, dachte Valimaro für sich, jener für die Waldelben verbotene Teil der nördlichen Grenze im Wald, welcher hier unter besonderen Schutz des Königs stand und nur er und seine Familie hatten das Recht, diese Region zu betreten, was sehr selten geschah, warum, das wusste niemand zu sagen.
Valimaro versuchte, sich zu orientieren, denn die Bäume hier standen sehr dicht und gaben kaum den Blick durch das dichte Blätterdach nach oben frei.
Ein Wald, der den Zusatznamen „Nacht“ wahrlich verdient hatte, überlegte er.
„Wir sollten umkehren, es ist uns verboten, weiter durch diesen Bereich des Waldes zu gehen.“
Baradan wirkte etwas nervös als er dies aussprach, das konnte Valimaro an seinen brüchigen Worten erkennen.
„Du hast Recht mein Schildbruder, lass uns umkehren und zurück zu den anderen gehen.“

Baradan nickte zufrieden und beide Elben machten sich daran, in Richtung Waldlandreich umzudrehen.
Doch unbewusst blieb Valimaro plötzlich stehen und lauschte dem Wind, den nur er hören konnte, denn Baradan war bereits ein paar Meter aus dem dichten Unterholz herausgetreten und machte keine Anstalten, zu warten oder sich erneut nach hinten zu Valimaro umzusehen.
„Warte kurz.“, sprach Valimaro dann etwas lauter zu ihm.
Baradan blieb stehen.
„Hörst du das auch?“
Valimaro versuchte, sich anzustrengen und spitzte die Ohren.
„Hier weht weder der Wind noch vernehmen meine Elbenohren sonstige Laute von Tieren.
Der Schattenhain ist doch dafür bekannt, dass hier nichts ist, außer den vielen Pflanzen unterschiedlichster Art.“, gab Baradan ihm kalt als Antwort zurück.
Valimaro wusste, das Baradan im Recht war, denn oft hatten sie Garadal davon sprechen hören, dass der Schattenhain zu jenen Teilen des Grünwaldes zählte, die am ältesten waren und die es zu beschützen galt.
Einmal sprach Garadal davon, dass selbst die Tiere diesen Bereich des Waldes mieden, sei es aus Ehrfurcht oder Angst, das wusste der Fürst der Grünwaldgarde nicht zu vermuten.
Aber so berichteten die Waldelben, die bisher in die Nähe des Schattenhains gekommen waren, stets von seltsamen Geräuschen tief im Inneren desselben.
Doch niemand hatte bisher den Befehl Thranduils missachtet, den Schattenhain nicht bewusst betreten zu dürfen.
Valimaro löste sich aus der Anspannung und tat die Geräusche, die der Wind ihm zuflüstern wollte, als Täuschung seiner Sinne ab.
Der Wächter runzelte die Stirn und ging ein paar Schritte auf Baradan zu.
Dieser schüttelte leicht den Kopf, machte dann Kehrt und zwängte sich lautstark durch die Sträucher und Gräser vor ihm.
Eine helle Stimme.
Jemand sang ein Lied.
Valimaro blieb erneut stehen und blickte nach hinten.
Er war sich ganz sicher.
Der Wächter schloss die Augen und lauschte den Worten in Sindarin, die der Wind erneut zu ihm trug und die ihn in ihren Bann zogen.
Der Elb ignorierte Baradan, der schon sehr weit abseits von ihm ging und eigentlich gerade mit ihm sprach.
Doch Valimaro war fasziniert von der klaren Stimme, die er einer Elbin zuschrieb, die mit zarten Tönen über das Suchen und Finden der Liebe im Nachtwald sang.
Schließlich rissen Baradans laute Worte den Elben aus seinen Gedanken.
„Ist dir etwas passiert Vali? Wo bleibst du denn?“
Valimaro entgegnete, ohne sich einen einfallsreichen Plan ausgedacht zu haben:
„Es ist alles gut Baradan, geh nur voraus, ich möchte ein wenig hier im Wald alleine meditieren. Ich finde den Weg später zurück.“
Für einen Moment herrschte dann Stille.
„Ist das jetzt dein Ernst?“
Baradans Frage klang sehr wütend und entrüstet. Dann redete er weiter:
„Wir gehen diese Grenzpatrouillen immer gemeinsam. Das wir soweit nach Norden gegangen sind, war allein deine Idee und jetzt sagst du mir nach etlichen Stunden, ich solle alleine zurückkehren, weil du hier beim Schattenhain meditieren möchtest?“
Valimaro lächelte etwas und wusste, dass er seinen Freund bei seinem Stolz packen musste.
Nach einer kurzen Überlegung antwortete er Baradan:
„Hast du etwa Angst, alleine im Wald zu sein oder hast du gar den Weg zurück vergessen?
Dann hätte ich wohl ein Seil zwischen unseren Händen binden sollen, damit wir nicht getrennt werden und immer zusammenbleiben.
So wie die ersten Male bei unserer Ausbildung.“
Diese Worte waren nicht aus Hohn gesprochen, denn beide Elben kannten sich sehr lange und gut, sodass ein jeder von ihnen um die täglichen Spielchen wusste, mit denen sie sich gelegentlich zu necken versuchten.
Baradan erkannte dies sofort und ein lautes Lachen war von ihm zu hören.
„Vielleicht sollte ich lieber Brotkrumen ausstreuen, damit du nachher den Weg nach Hause findest, mein verzweifelt suchender Schildbruder.“
„Das wäre nicht sehr weise, denn nachher ist es düster im Wald und dann kann ich deine Hinweise nicht mehr so gut erkennen.“
Bei den letzten Worten schmunzelte Valimaro leicht.
„Dann musst du dir beim nächsten Waschgang mal ordentlich die Augen ausspülen, obwohl, das war ja erst gestern Morgen, …..“
Baradan tat so, als wenn er zählen würde und sprach schließlich weiter:
„Das heißt ja dann, du wirst dich erst wieder nächsten Monat erneut waschen, solange kann ich dich nicht alleine im Wald lassen. Ich werde dir den Weg in die Rinde der Bäume einritzen.“
Es folgte eine kurze Pause.
Dann sprach Baradan erneut:
„Also gut Vali, wenn du hier, warum auch immer, meditieren möchtest, weil du den Wind angeblich hören kannst, obwohl da nichts ist, dann lasse ich dich eben allein zu-rück.
„Aber du stellst das nachher vor Garadal klar, falls es deswegen Ärger geben sollte.“
Valimaro wollte darauf antworten, als Baradan dann erneut ansetzte:
„Ich werde ihm einfach sagen, du warst zu müde und machst ein Nickerchen in den Bäumen, weil du letztlich eingesehen hast, dass ich der bessere Späher von uns bei-den bin.“
Da musste Valimaro nun doch laut auflachen und Baradan stimmte in das Gelächter mit ein.
„Was würde Garadal nur dazu sagen, wenn er uns zwei so hören könnte?“, sprach Valimaro schließlich.
Baradan verstellte seine Stimme merklich und ahmte ihren alten Ausbilder und jetzigen Dienstherren nach, ohne ihn dabei bloßstellen oder verspotten zu wollen, wie es vielleicht Menschen getan hätten:
„Nein, nein, nein. Ein solches Betragen hätte ich von euch beiden nicht erwartet, ich war zwar früher genauso wie ihr, würde dies aber nie vor euch zugeben, aber so wie ihr euch hier verhaltet, das ist einem Wächter der Grünwaldgarde nicht würdig. Ich hätte mehr von euch erwartet. Einfach enttäuschend.“
Valimaro lachte bei diesen Worten und stimmte dann in das Nachmachen von Garadal ein:
„Ihr dürft morgen ganz alleine zu zweit die Grenzen des Waldlandreiches auskundschaften und erstattet mir dann sofort Bericht.“
Beide Elben lachten laut.

Dann knackten die Äste um Baradan herum und Valimaro wusste, dass sein Freund weiterging.
Zum Abschied sprachen die zwei ein paar Worte in Sindarin, die nur die Wächter der Grünwaldgrade einander zum Gruß aussprechen.
Dann war Valimaro allein.
Dieser Moment mit Baradan hatte ihn völlig davon abgelenkt, warum er eigentlich hier beim Schattenhain bleiben wollte.
Er schloss die Augen und versuchte, sich erneut zu konzentrieren.
Nichts war zu hören.
Nach ein paar Minuten Stillstand rührte sich der Wächter schließlich und überlegte sich doch, nun schnell zu seinem Freund aufzuschließen, denn offensichtlich war die Stimme von vorhin tatsächlich bloße Einbildung gewesen.
Als er dann ein paar Schritte in Richtung der Stelle trat, wo Baradan vor wenigen Augenblicken noch zu hören gewesen war, drangen die Töne eines Liedes wieder an seine Ohren.
Der Wächter erstarrte in seiner Bewegung und war sich absolut sicher, die Stimme hinter ihm verorten zu können, mit vorsichtigen Schritten trat er nun wieder tiefer in den Schattenhain.

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Samstag, 13. Januar 2018, 01:50

Kapitelergänzung Kapitel IX

Kapitel IX - Cunivieth


Cunivieth pflückte erneut ein paar der kleineren Kräutergewächsen, die nur im Schattenhain wuchsen und deren Namen für die meisten Bewohner Mittelerdes gänzlich unbekannt sind und das ist auch gut so.
Die Elbin mischte diese, wie jeden ersten Tag im neuen Monat, zu einer düsteren Essenz zusammen, die sie für ihren kleinen Spiegelteich im Garten benötigte, damit sich dort der Schleier des Schicksals für ihre Fragen lichten konnte und sie so in die Zukunft vorausblicken ließ, fast genauso, wie es die Herrin des Goldenen Waldes weit im Süden mit ihren Fähigkeiten vermochte.
Doch diesmal, so hatte Cunivieths es schon die letzten Tage gesehen, würde ein junger Elb in ihr Leben treten und ihren weiteren Weg fortan entscheidend mitbestimmen.
Während sie etwas tiefer in Richtung der sie umgebenden Baumreihen ging, begann sie, ein Lied in so hellen und lieblichen Tönen zu singen, dass ein jeder, der es hören musste, dem Bann ihrer klangvollen Stimmen erlegen wäre.
Cunivieth wusste, was geschehen würde, als sie ihren Gesang kurz unterbrach und dann so weit in den Süden ging, dass ihr Haus aus ihrem Sichtfeld verschwand und sie plötzlich dicht umgeben von einigen Bäumen stand, hohe Sträucher berührten ihre weite Schürze.
Dort im tieferen Waldstück angekommen, setzte sie erneut an und sang über das Suchen und Finden der Liebe im Nachtwald und die Strophen trug sie dabei so fröhlich vor, dass man annehmen musste, sie hätte ihr Glück bereits gefunden, doch dem war nicht so und es sollte für sie in diesem Leben auch nicht dafür reichen.
Cunivieth pflückte gerade einige der lilafarbenen Lichtblüten, die hier kreuz und quer wuchsen, um sie für ihre Tränke und Salben, die sie gerne herstellte, nutzen zu kön-nen.
Denn die Pollen der Lichtblüten aus dem Nachtwald waren für ihre lähmende Wirkung bekannt und Cunivieth wollte auf alles Mögliche vorbereitet sein, was vielleicht geschehen sollte.
Als sich die Elbin gerade nach ein paar weiteren Lichtblüten bückte und ihren rechten Arm ausstreckte, trat ein Elb in kastanienbrauner Kleidung aus den vorderen Baumrei-hen hervor.
Cunivieth richtete sich vorsichtig auf und unterbrach ihren Gesang, derweil sie den Elben vor sich argwöhnisch musterte.
Er hatte schwarzes, schulterlanges Haar, das mit braunen Blätterbroschen nach hinten zu drei gleich langen Zöpfen geflochten war und lässig nach hinten abfiel.
Seine klaren, smaragdgrünen Augen standen im scharfen Kontrast zu seiner weißen, sehr hellen Hautfarbe.
Seine feinen Gesichtszüge und die Körperhaltung verrieten Cunivieth, dass dieser Elb vor ihr noch sehr jung war, vielleicht gerade einmal 70 oder 80 Jahre.
Das er noch sehr unerfahren war, lag vor allem daran, dass er ihrem Gesang bereitwillig in den verbotenen Schattenhain gefolgt war.
Ihr Blick folgte zu seinen Händen.
In der Rechten hielt der Elb, leicht gesenkt, ein silberschimmerndes Kurzschwert, das nach Elbenart gefertigt war, während er in seiner anderen Hand nichts Auffälliges trug.
Dieser kurze Blick zum Schwert und dann wieder zurück in das Gesicht ihres Gegenübers genügten der Kräuterkundigen, um sich sofort zu entscheiden.
In einer schnellen Bewegung entwaffnete sie den erstaunt blickenden Elben, der völlig überrumpelt wurde.
Sie drehte den Schwertgriff aus seiner Hand, drückte das Schwert quer auf die Innenseite und wirbelte dann flink herum.
Nach dieser schnellen Aktion hielt die Elbin ihm das Ende seiner Klinge an seinen Hals und zwar so dicht, dass seine makellose Haut etwas eingedrückt wurde.
Beide blickten sich so nah voreinander in die Augen und Cunivieth spürte, dass etwas Spitzes sie seitlich an ihrer rechten Hüfte berührte.
Es schmerzte etwas.
Kurz senkte sie den Blick darauf und sah, dass der Elb mit seiner linken Hand einen kleinen Dolch fest an die Hüfte Cunivieths presste, der die Schürze bereits leicht durch-bohrte hatte, sodass die Elbin das Ende der kalten Spitze an ihrer Haut fühlen konnte.
Beide wirkten fest entschlossen, in dieser Situation nicht zuerst nachgeben zu wollen, bis der Elb schließlich als Erster zur Kräuterkundigen sprach:
„Ich bin bereit, zu zustoßen, genau wie ihr, wie es scheint. Doch hätte ich vorher noch gerne erfahren, warum ihr hier im Schattenhain so ein fröhliches Lied singt?“
Cunivieths Augen verzogen sich bei diesen Worten zu schmalen Schlitzen und sie antwortete schnell:
„Ihr müsst sehr dumm sein, mein Herr, wenn dies das Letzte ist, was ihr vor eurem Tod erfahren wollt.“
Der Elb überlegte kurz, dann senkte er seinen linken Arm und ließ den Dolch zu Boden fallen.
Überrascht blickte Cunivieth dem Dolch kurz hinterher und wirkte für den Bruchteil eines Augenblicks leicht abgelenkt und unkonzentriert.
Diesen Moment nutzte der Elb, um seinen Kopf nach hinten zu schieben, um in der gleichen Bewegung seinen ganzen Oberkörper seitlich vom Schwert weg zu drehen, nur um sofort darauf, den rechten Arm Cunivieths mit seinem Schwert in ihrer Hand zu ergreifen.
Diesen Arm drehte der Elb zusammen mit Cunivieth kraftvoll herum und hielt nun ihr die Klinge seitlich schräg an ihren schönen Hals, während er hinter ihr stand und sie seinen Atem an ihrem Ohr spüren konnte.
Ihren linken Arm hielt der Elb mit seiner linken Hand fest umklammert.
Dann flüsterte er über ihre Schulter:
„Ich bin nicht euer Feind, wir sind ein Volk und ich werde euch keinen Schaden antun.“
„Warum seid ihr dann mit Waffen in mein Heim getreten? Es ist euch verboten, hier einen Fuß hineinzusetzen.“
Der Elb verzog bei ihren Worten den Mund und wurde ernster.
„Ihr habt Recht, verzeiht mein Eindringen. Euer Lied hat mir sehr gefallen, es war natürlich töricht von mir, eure Ruhe zu stören. Ich werde gehen.“
Er senkte seine Klinge und ließ den Arm Cunivieths los.
Dann löste er seine Umklammerung, trat ein paar Schritte zurück und machte sich daran, seinen Dolch vom Boden aufzuheben. Nach einem kurzen Blickkontakt zwischen den beiden Elben, die nun etwas mehr Abstand zwischen sich hatten, drehte sich der Elb in die Richtung, aus der er gekommen war und ging ein paar Schritte dorthin.
„Valimaro.“
Der Elb blieb augenblicklich stehen.
„Valimaro, Wächter des Waldes.“
Der Elb drehte seinen Kopf zu Cunivieth.
Diese stand mit verschränkten Armen vor ihrem Körper in einiger Entfernung und sprach schließlich weiter:
„Mein Name ist Cunivieth, die Sehende und dieser Wald ist mein zu Hause. Ihr seid verletzt und ich möchte euren Hals gerne versorgen, ich kenne mich mit Heilkräutern und Ölen sehr gut aus.“
Valimaro blickte verwundert zur Elbin.
Er berührte nach ihren Worten die Stelle am Hals, wo sie ihn mit seinem Schwert bedroht hatte, etwas Blut, aber nicht viel, klebte an seinen Fingerspitzen. Dann sprach er:
„Was macht ihr hier im Schattenhain? Es ist den Elben dieses Waldes untersagt, hier zu wandeln. Warum singt ihr hier versteckt Lieder über den Nachtwald und habt mich zu euch gelockt?“
Beide Elben blickten sich für eine geraume Weile in die Augen, dann antwortete Cunivieth schließlich:
„Es ist Schicksal, warum wir uns heute hier begegneten, Valimaro. Ich war mir zuerst nicht sicher bei euch, weil ich euch zuvor anders gesehen hatte und zwar in voller Rüs-tung mit eurem Schild, nicht in dieser braunen Kluft, die ihr heute tragt.“
Die Elbin deutete auf das Aussehen ihres Gegenübers.
Valimaro war neugierig, woher kannte die Elbin nur seinen Namen?
Warum wusste sie von seiner Aufgabe als Wächter in der Grünwaldgarde?
Cunivieth erkannte diese und weitere Fragen des Wächters und sprach zu ihm:
„Kommt mit mir, ich werde euren Hals etwas mit frischer Wundsalbe versorgen und ihr dürft mir eure Fragen gerne stellen, wenn ihr es wünscht. Aber lasst eure Waffen hier an den Bäumen liegen, ihr werdet sie heute nicht brau-chen.“
Zögerlich blickte Valimaro in Richtung der Bäume, dann wieder zurück zu Cunivieth.
Der Elb war verwundert, was wusste diese Elbin über ihn? Was machte sie hier?
„Warum sollte ich euch vertrauen, Cunivieth, noch vor wenigen Augenblicken habt ihr mir nach dem Leben getrachtet.“
Daraufhin lächelte die Elbin ihn freundlich an und gab schnell als Antwort zurück:
„Noch vor wenigen Augenblicken wolltet ihr wissen, warum ich hier im Schattenhain ein fröhliches Lied gesungen habe. Ist eure Neugierde seitdem etwa schon verflogen?“
Einen bewusst gesetzten Hauch von Enttäuschung fügte Cunivieth ihren Worten dabei hinzu.
„Ihr redet jedenfalls nicht wie eine gewöhnliche Waldelbin und euer Aussehen lässt auch nicht auf eine Elbin meines Volkes schließen.“
Valimaro deutete mit einer Handgeste auf die Erscheinung der Elbin.
Cunivieth, deren kupferfarbenes Haar lang über ihre Schultern abfiel, begann bei diesen Worten noch stärker zu lächeln.
Sie trug eine lange, weißblaue Robe, die eher wie eine Schürze aussah und mit vielen Tragetaschen übersät war. Ihre tiefliegenden, grauen Augen musterten Valimaro auf-merksam, in der Hoffnung, er würde weitersprachen, was er auch schließlich tat:
„Ich weiß nicht, wer ihr seid und was ihr hier macht. Aber als Wächter des Waldes möchte ich darauf Antworten finden. Ich verspreche euch, euch kein Leid anzutun, wenn ihr dies erwidert.“
Die elfenbeinfarbigen Gesichtszüge Cunivieths spannten sich an, dann sprach sie in fließendem Quenya, eine der Elbensprachen, die Valimaro, wie die meisten Sindar aus dem Grünwald, die noch keinen Fuß über die Grenzen Rhovanions hinausgesetzt hatten, nicht erkannte:
„Heute mögt ihr mir dieses Versprechen geben, Valimaro, aber ich weiß, dass ich euch von diesem Versprechen einst entbinden muss, um großes Unheil für euch und euer Volk abzuwenden.“
Die Worte, die nicht in Sindarin gesprochen wurden, verflüchtigten sich schnell und Cunivieth sprach so leise, dass Valimaro den Eindruck hatte, sie würde die Worte in Sin-darin verschlucken und er könnte sie nicht richtig hören.
„Verzeiht Cunivieth, aber ich verstehe euch nicht richtig. Was habt ihr eben gesagt?“
Cunivieth wechselte zurück in das ihm vertraute Sindarin und sprach:
„Ihr habt mein Wort, dass ich die ersten drei eurer vielen Fragen beantworten werden, danach werde ich schweigen und ihr dürft den Schattenhain verlassen.“
Valimaro war verwundert.
„Bin ich etwa euer Gefangener an diesem Ort?“
Cunivieth wirkte von diesen Worten belustigt und antwortete schnell:
„Nein, dass seid ihr nicht. Aber dies war bereits eure erste Frage, Valimaro. Wenn ihr weiter so kluge Fragen stellt, solltet ihr wohl gleich wieder zu euresgleichen zurückkeh-ren und nicht mit mir kommen. Aber ich hege große Hoffnung auf euch, Wächter.“
Die Elbin zwinkerte Valimaro kurz zu, wischte sich dann etwas Pollenstaub von ihrer Schürze und machte sich daran, in die Richtung ihres kleinen Hauses aufzubrechen.
Als Cunivieth ein paar Meter weit gegangen war, hielt sie gespannt inne und wartete die Reaktion des Elben ab.
Valimaro überlegte, was nun klug wäre.
Von seiner Beobachtung berichten? Eine Begegnung, die es hätte nie geben dürfen?
Schnell verflog dieser Gedanke wieder und der Wächter legte seine Waffen nieder.
Dann, mit ein paar schnellen Schritten, schloss er sich der Elbin an.
Cunivieth freute sich innerlich, blieb zum äußeren Schein aber eiskalt und schritt ohne Worte weiter, dicht gefolgt von Valimaro, der unzählige Fragen im Kopf hatte und überlegen musste, welche er der Elbin gleich stellen wollte.

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Samstag, 13. Januar 2018, 22:08

Kapitelergänzung X

Kapitel X - Das Nachspiel


Das Erste, was Valimaro, der immer noch unter Schock stand, wahrnahm, war ein dumpfer Schlag von rechts, der ihn seitlich im Gesicht traf und seinen Oberkörper zur Seite warf.
„WAS HAST DU NUR GETAN?“, brüllte ihn jemand seitlich an, während andere Elben ihm hastig den Dolch aus der Hand entrissen, doch Cunivieths Freund wehrte sich nicht dagegen. Valimaro schwieg und starrte ins Leere, alles um ihn herum war bedeutungslos geworden. Ausdruckslosigkeit war seinem Blick zu entnehmen, so, als wenn er sich selbst in seinen Gedanken verloren hätte und nicht wüsste, was um ihn herum geschah oder ob es einen Ausweg gab.

Ein weiterer Schlag erwischte ihn von hinten und die Wucht warf den geistesabwesenden Elben abrupt zu Boden, unmittelbar neben die Tote.
Valimaro pustete neben dem leblosen Körper Cunivieths den Staub aus und streckte unbewusst eine Hand nach ihr aus. Tränen sammelten sich erneut in seinen Augen. Noch eher der Elb seine einstige Freundin berühren konnte, war Faelon Schwarzdorn bereits zur Stelle und trat Valimaro mit seinem Fuß auf das Handgelenk, sodass die Hand des Elben schmerzhaft auf den Boden gepresst wurde.
„Das reicht jetzt!“, fauchte Garadal wütend zu den Elben, die Valimaro von hinten umgestoßen hatten. Diese blickten finster auf den Leichnam der Elbin, dann zu Faelon hinüber. Garadal ergriff erneut das Wort:
„Vergesst nicht, wer ihr seid und dass Valimaro einer von uns ist.“
Dann wandte sich der Fürst der Grünwaldgarde direkt an Faelon Schwarzdorn, dem Wortführer dieser Elbenwächter:
„Wir wissen nicht, was hier geschehen ist und Valimaro steht offensichtlich unter Schockstarre, also werde ich es nicht dulden, dass eure Männer ihn bereits des Mordes für schuldig befinden, noch ehe wir dieses Unrecht hier aufgeklärt haben.“ Faelon spuckte vor die Füße von Garadal aus, dann erwiderte er:
„Das sagt ihr nur, weil ihr ihn schützen wollt, Garadal. Ihr seid befangen, schließlich wissen wir alle hier, dass dieser Elb euer Ziehsohn ist und ihr alles unternehmt, um Schaden von ihm abzuwenden.“
„Ihr vergesst, mit wem ihr sprecht, Faelon Schwarzdorn, Faeldirs Sohn.“
Eine kurze Pause unterbrach diese Szenerie.
Dann erwiderte Faeldirs Sohn die Worte seines Anführers folgendermaßen:
„Und ihr habt vergessen, dass hier ein Leichnam einer Elbin liegt, die durch einen Dolchstich gemeuchelt wurde. Den blutigen Dolch hielt Valimaro in seinen eigenen Hän-den, als er sich über sie beugte.“ Bei diesen Worten hielt Faelon den blutverschmierten Dolch empor, sodass ihn jeder auf der kleinen Lichtung sehen konnte. Als er jedem der Anwesenden die Bedeutung seiner Aussage bildhaft vor Augen geführt hatte, hielt er den Dolch mit dem Griff nach vorne in Richtung Garadal und sprach zu diesem: „Mehr brauche ich nicht zu wissen, Garadal, um mein Urteil zu fällen. Und ihr solltet nun endlich den Befehl erteilen, diesen Elben in Ketten legen zu lassen, ansonsten werde ich an eurem Urteilsvermögen zweifeln und könnte mir vorstellen, dass mein Vater sich für euer Verhalten sehr interessieren wird.“
Der Fürst der Grünwaldgarde wirkte sichtlich angewidert von dieser Belehrung.
„Da kann man nur beruhigt sein, dass weder ihr noch euer Vater hier Recht sprechen, Faelon Schwarzdorn.“
Die letzten Worte sprach Garadal sehr ernst und blickte dem hochgewachsenen Faelon dabei fest in die Augen.
Dann trat Baradan, Valimaros Schildbruder, seitlich an Garadal heran und versuchte, die Situation zwischen den Elben etwas zu entschärfen:
„Valimaro muss nicht vorgeführt werden wie ein Feind, er wird sich uns freiwillig anschließen, ich kenne ihn sehr gut. Er ist einer von uns. Er ist…“
Mit lautem Lachen unterbrach Faelon diese Worte und seine Männer stimmten in das Gelächter mit ein.
Garadal und Baradan tauschten verärgerte Blicke aus, schließlich sprach Faeldirs Sohn:
„Du Baradan? Du willst mich wohl zum Narren halten? Du würdest deinem Schildbruder nie Schaden zuführen wollen und somit bist auch du befangen in dieser Angelegenheit. Vielleicht habt ihr zwei diesen Mord ja auch sorgfältig geplant, schließlich seid ihr stets zusammen in diesen Randgebieten des Schattenhains umhergestreift. Schon verdächtig, findet ihr nicht Männer?“
Faelon drehte sich in spöttischer Manier zu seinen Männern um, die ihm still zunickten.

Während die drei Elben hitzig weiter miteinander diskutierten, machten sich die übrigen Elbenwächter, die vor allem am Rand der eigentlichen Szenerie standen, daran, das Feuer zu bändigen, damit es nicht vom freistehenden Haus auf die Sträucher und Gräser oder gar auf die Bäume im Schattenhain übersprang.
Dazu benutzten sie allerdings kein Wasser, sondern sie beträufelten mit einer schwarzen Flüssigkeit viele Decken, die sie zu diesem Feuer mitgeschleppt hatten.
Fast in routinierter Art und Weise reihten sich gut 20 Elben um die Reste des Hauses und erdrückten das Feuer mit ihren dunklen Decken, die, vermutlich wegen der seltsamen Flüssigkeit, kein Feuer fingen und die Flammen schnell erstickten.
Rauch stieg weit empor.
Nach wenigen Augenblicken war das Feuer unter Kontrolle und die Elben begannen, die größeren Brandherde zu ersticken, dabei gingen sie sehr behutsam und sorgfältig vor, sodass auch die Glut und aufleuchtende Ascheüberreste schnell ausgetreten oder erstickt wurden. Schließlich war der Brand gelöscht und das Haus eine verkohlte Ruine, fast vollständig zerstört. Nun standen die Elben im Dunkeln, denn es war bereits tiefe Nacht geworden.

„Wenn ihr so abfällig über meinen Schildbruder sprecht, Faelon, so sollte wohl auch erwähnt werden, dass ihr schon lange ein Problem mit Valimaro habt und dies hier nur ein guter Anlass ist, um mit ihm abzurechnen.“ Bei seinen Worten schritt Baradan wenige Meter auf Faelon zu und gab sich kämpferisch, obwohl er innerlich Angst vor den Schwarzdorns hatte, denn die wohlhabende Elbenfamilie war hoch angesehen und hatte viel Macht und Einfluss am Hofe und im gesamten Waldlandreich. Faelon Schwarzdorn ließ sich vom Gehabe des Elben nicht einschüchtern, selbstbewusst schritt er Baradan entgegen und packte ihn an der Brust, erst da viel dem Wächter auf, wie groß Faeldirs Sohn im Vergleich zu ihm doch war. „Was glaubst du eigentlich, mit wem du hier sprichst, Baradan. Soll ich meinem Vater mal einen Tipp geben, wo ihr zwei so lang lauft, zum Beispiel, dass ihr in unseren Waldstücken wildert und euch köstlich über mich und meine Familie amüsiert, wenn ihr nachts bei Kerzenschein und Wein mit euren Geschichten vor allen Wächtern prahlt.“
Die beiden Elben blickten sich tief in die Augen und Faelon hatte sein Gegenüber leicht angehoben, um ihn seine Überlegenheit zu demonstrieren.
Hinter der Fassade Baradans erkannte selbst Faeldirs Sohn, dass der Wächter Angst vor ihm und seinen Worten hatte.
Faelon lächelte zufrieden und ließ ab von Baradan.
„Was ist nun mit euch Garadal? Valimaro liegt hier kauernd und winselnd auf dem Boden.“ Faelon zeigte mit aus-gestreckten Arm auf den am Boden liegenden Elben, der sich kaum rührte und völlig abwesend wirkte. Er hatte bis jetzt kein einziges Wort gesprochen.
Der Sohn Faeldirs ergriff erneut das Wort:
„Für mich ist das ganz klar ein schweres Vergehen und als einen Mörder oder zumindest einen des Mordes Verdächtigen sollten wir Valimaro auch behandeln! Ihr müsst euch jetzt entscheiden, mein Herr, es ist eure Pflicht als Fürst der Garde das Waldlandreich zu beschützen und Unrecht aufzuklären, doch werden ich und meine Getreuen stark an eurer Loyalität und Urteilsfähigkeit zweifeln, wenn ihr diesen Elben dort einfach davon kommen lasst. Dann werde ich meinen Vater bitten müssen, diesen Vorfall genau zu untersuchen und dafür sorgen, dass ihr eures Amtes enthoben werdet. Das muss euch doch klar sein.“
Zufrieden schloss Faelon seinen Mund und stapfte in Richtung seiner Männer, um die Reaktion Garadals abzuwarten.
Dieser seufzte und schloss für einen kurzen Moment die Augen, dann sprach er:
„Faelon hat Recht, keiner weiß, was hier geschah und Valimaro braucht Ruhe, um zu sich zu kommen, deshalb werden wir ihn in das Waldlandreich geleiten und ihm die Zeit geben, sich zu sammeln. Bis seine Schuld nicht bewiesen ist, wird er nicht wie ein gewöhnlicher Gefangener behandeln, sondern mit Anstand und Respekt.“

Valimaros Geist verlor sich derweil in vielen Fragen und Gedanken, so dachte er beispielsweise an die vielen schö-nen und traurigen Momente, die er mit Cunivieth im Leben geteilt hatte, an ihre erste Begegnung, an die Fragen, die sie ihm dann beantwortet hatte und an das Versprechen, das er ihr einst vor langer Zeit gegeben hatte und nicht einhalten konnte. Die Worte Cunivieths verdrängten allmählich diese Erinnerungen und Valimaros Geist kehrte zurück in das Hier und Jetzt, er hörte die Stimmen Baradans, Garadals und auch die Faelons. Der Elb richtete sich langsam und schwerfällig auf, denn er hatte starke Schmerzen, vor allem im Gesicht, wo ihn der Schlag von Faelon getroffen hatte. Die übrigen Elben drehten sich zum Wächter um, unwissend, was sie nun machen sollten.
Auch die drei wortführenden Elben blickten zu Valimaro, als dieser wieder aufrecht stand und das Wort ergriff:
„Die Steine, wir müssen die Steine sicherstellen, das waren ihre Worte.“
Die Elben blickten sich verwundert an, unwissend, wovon Valimaro da überhaupt sprach.
„Was redest du da Vali?“ Baradan ging ein paar Schritte auf seinen Schildbruder zu, um ihn notfalls zu stützen, weil er sich unsicher war, ob Valimaro eventuell eine Kopfverletzung davon getragen hatte.
„Die Elbin hier, ihr Name ist Cunivieth, wir müssen ihre Steine finden.“
Unwillkürlich griff Valimaro in eine seiner inneren Umhangtaschen und fühlte einen der Sternensteine, die Cunivieth ihm offenbar noch hineingelegt hatte, bevor sie in seinen Armen verschieden war. Der Wächter zog den hellen, rosa schimmernden Sternenstein heraus und hielt ihn vor sich in die Luft.

Alle Waldelben auf der kleinen Lichtung vor dem Haus traten ein wenig näher zum Wächter, um das wunderschöne Sternenlicht zu betrachten, das vom Stein ausstrahlte und die Umgebung hell erleuchtete. Das Licht warf auch einen Schein auf das Gesicht Faelons, der seine Miene zu einer bösartigen Maske verkrampfte und Valimaro finster anstarrte. Dann senkte Faeldirs Sohn den Kopf zu Boden und sprach:
„Fürst Garadal, passt dieser Stein, den Valimaro dort in seinen Händen hält und gerade aus seinem Umhang her-vorzog, nicht haargenau zu der Beschreibung unseres Prin-zen, der genau solch einen Stein vermisst und uns zur Suche nach diesem ausschickte?“
Garadal schloss die Augen und nickte leicht, dann sprach Faelon erneut:
„Und ist es nicht auch richtig, dass wir genau deshalb in den Schattenhain geschickt worden sind, um eine Elbin namens Cunivieth zu beschützen, die hier leben soll. Cunivieth die Sehende, wenn ich unseren Prinzen richtig verstanden habe.“
„Auch das trifft zu, Faelon.“, antwortete ihm Garadal.
Diese Worte sprach der Fürst der Waldlandgarde langsam und mit Bedacht aus. Die Unglaubwürdigkeit des Fürsten war in seinem Ausspruch deutlich erkennbar.
Valimaro erkannte, was Faelon beabsichtigte, doch es war zu spät, um jetzt noch Argumente gegen die Situation anzuführen, denn sie würden von den meisten Elben auf der Lichtung als billige Ausrede abgetan werden und so versuchte Valimaro erst gar nicht, gegen diese Feststellung oder den falschen Eindruck, der sich daraus zwangsläufig ergeben musste, anzukämpfen.
Faelon Schwarzdorn sah nun seine Stunde gekommen und bedeutete seinen Männern, Valimaro in Gewahrsam zu nehmen.
Zwei der Elben entwaffneten den Wächter und fesselten seine Hände schnell auf dem Rücken, ehe sie ihn in Richtung Waldlandreich abführten.
Valimaro blickte sich nach Cunivieth um und war fassungslos, weshalb niemand der anwesenden Elben sich um sie zu kümmern versuchte.
„Baradan, versprich mir, dass der Körper dieser Elbin sicher im Schattenhain ruht, kümmere dich darum, das war ein Wunsch von ihr.“
Valimaros Schildbruder nickte bei diesen Worten, obwohl er sich unsicher war, was jetzt überhaupt geschehen sollte.

Valimaro

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Kapitelergänzung Kapitel XI

Kapitel XI - Das Zwischenspiel


Cunivieth führte den Elben etwas tiefer in den Schattenhain und dachte dabei über ihn nach. Sie wusste bereits seit einiger Zeit, dass der Tag ihrer Begegnung zugleich ihr beider Schicksal besiegeln sollte, das hatte sie einst vorausgesehen. Doch wäre es möglich, dass sich dieses durch seine Hilfe abwenden ließe?
Vorsichtig und in Gedanken versunken, blickte sie seitlich zu Valimaro und musterte sein Gesicht flüchtig. Er war ein attraktiver, groß gewachsener Elb mit klaren grünen Au-gen und schwarzen, schulterlangen Haaren, stellte sie fest.
Valimaro erwiderte den schnellen Blick der Elbin und versuchte, dabei gelassen auf sie zu wirken, obwohl er innerlich fast von seiner Neugierde und dem Interesse an Cuni-vieth überwältigt wurde. Nach zwei schnellen Herzschlägen richtete er das Wort an die Elbin:
„Ich habe noch keine weitere Frage gestellt.“
Cunivieth lächelte ein wenig und entgegnete ihm sanft:
„Das stimmt, zwei Fragen bleiben euch noch."
Zufrieden senkte Valimaro den Blick zu Boden und folgte der Kräuterkundigen tiefer in den Schattenhain. Die Bäume standen bald weniger dicht zusammen und gaben allmählich den Blick auf eine kleine Lichtung frei. Als die beiden am Waldrand angekommen waren, standen sie vielleicht zweihundert Schritte von einem kleinen Holzhaus entfernt, das auf Valimaro sehr schlicht und verfallen wirkte. Die Tür sah sehr alt und klapprig aus, dort hatte schon lange niemand mehr versucht, das Haus von außen in einem akzeptablen Zustand zu erhalten, wie es ihm schien. Unbewusst blieb der Wächter stehen und blickte den schmalen Weg vom Haus zu einer kleinen Anhöhe hinauf. Dort oben zwängte sich der schmale Weg dicht vorbei an der Waldbegrenzung zu beiden Seiten und verschwand schließlich in einer Kurve zwischen den Bäumen.
Valimaro versuchte, dem Wind zu lauschen und achtete auf die Geräusche um ihn herum, doch er hörte absolut nichts.
An Cunivieth gerichtet sprach er:
„Der Schattenhain wirkt hier so leblos und verlassen, wenn keine Pflanzen hier wüchsen, könnte man meinen, die Natur wäre nicht lebendig und es würde Stillstand und Lee-re hier herrschen.“
Cunivieth blieb stehen und drehte sich etwas zu ihm, bevor sie dem Elben antwortete:
„Dieser Teil des Waldes ist sehr alt und die Tiere meiden ihn wohlwissend, denn die hohen Bäume tragen die Zeichen und den Geruch längst vergangener Zeitalter, als die Welt noch anders und unbewohnt war. Dies spüren die Tiere des Waldes und meiden den Schattenhain in Ehrfurcht.“
„Waru….“ Valimaro unterbrach sich schnell wieder.
Dann setzte der Wächter erneut an:
„Das Leben findet doch immer einen Weg.“
Cunivieth verstand die indirekte Frage.
„In endóre spüren alle lebenden Wesen, egal ob Baum, ob Fleisch oder Fisch, das Alter ihrer Umgebung, das wurde ihnen zur Vorsicht und Wertschätzung einst zum Geschenk gemacht. Und Bäume bedeuten viel mehr Leben, als ihr vielleicht glauben mögt, Valimaro.“
Valimaro blickte etwas verwundert.
Endóre?“
Cunivieth schmunzelte verlegen und legte den Kopf etwas schräg, dann sprach sie:
„In ennor, meinte ich natürlich. Kommt, ich möchte euch etwas zeigen.“
Die Elbin bedeutete Valimaro mit einer einladenden Handbewegung, ihr in das Haus zu folgen.
Etwas gekränkt folgte der Wächter dieser Geste und schritt langsam auf das Haus zu.
Als Sinda, so dachte sich der Elb, würde er ja wohl am besten wissen, dass Bäume Lebewesen seien.
Doch was er dabei nicht in den Worten Cunivieths erkannte, war die Tatsache, dass die ältesten Noldor weit mehr über die Macht der Bäume zu wissen vermochten, als die Sindar je erfahren würden.
Kurz bevor der Wächter in das kleine Holzhaus eintreten wollte und bereits eine Hand an die Türklinke angelegt hatte, hielt er plötzlich inne und dachte darüber nach, was er hier eigentlich tat. Verriet er nicht sein Volk? War es richtig oder falsch? Wer war diese seltsame Elbin namens Cunivieth? Sollte er Garadal oder zumindest Baradan nicht von seiner Begegnung mit ihr erzählen? Fragen über Fragen überkamen Valimaro in diesem Moment, die er nicht offen aussprach.
Cunivieth ahnte, welche Gedanken den Elben auf der Schwelle ihrer Haustür beschäftigten und versuchte, ihm seine Entscheidung, was er nun tun solle, etwas zu erleich-tern.
Sie stellte sich direkt neben den Elben und legte eine ihrer Hände auf seine linke Schulter, bevor sie zu ihm sprach:
„Valimaro, niemand zwingt euch, in dieses Haus, mein Reich, einzutreten. Ihr habt nichts Falsches getan, als ihr meiner Stimme in den Schattenhain gefolgt seid und ihr tut auch jetzt nichts Falsches, wenn ihr augenblicklich wieder zurück zu eurem Volk kehrt. Doch kann ich euch sagen, wenn ihr den Schattenhain jetzt verlasst, werdet ihr nie erfahren, was hätte sein können, was sein wird und eure Fragen werden auf ewig unbeantwortet bleiben. Und für viele Jahrhunderte werdet ihr euch an den heutigen Tag zurückerinnern und euch fragen, wie euer Weg hätte verlaufen können, wenn ihr euch an meiner Tür damals anders entschieden hättet. Eure Wahl wird unser gemeinsames Schicksal entscheidend beeinflussen.“
Die Worte Cunivieths drangen tief in den Verstand des Elben und befeuerten seine Neugierde danach, was die Elbin alles mit ihrer Aussage zu wissen vorgab.
Entschlossen drücke Valimaro die Türklinke herunter und trat in das Reich Cunivieth, die zufrieden lächelte und sich kurz nach Valimaro in ihr Haus begab.
Von diesem Tag an, verbrachte Valimaro viele Stunden mit Cunivieth und fortan weniger Zeit mit Baradan und den übrigen Wächtern der Grünwaldgarde. Dieser Umstand sollte ihm einst vorgeworfen werden, um ihn für ein Verbrechen verantwortlich zu machen, das er nie begangen hatte. Und mehr noch, die Freundschaft zwischen Valimaro und Baradan sollte durch seine Ausflüge in den Schattenhain auf eine harte Probe gestellt werden und letztendlich zum Bruch zwischen ihnen beitragen.
Aber dieser Tag war noch fern.
Bei seinen ersten Besuchen zeigte die Elbin dem Wächter ihre Fertigkeiten im Umgang mit den verschiedensten Kräutern, Waldfrüchten und Gräsern, die sie zu diversen Tink- und Mixturen sowie Tränken zusammenmischte, um den Wald und seine Wunder zu studieren, wie sie vorgab.
Auch zeigte Cunivieth dem Wächter ihren großen Garten mit dem klaren Teich in der Mitte, der von zahlreichen unbekannten Gewächsen begrenzt wurde und völlig frei von allen Tierarten war, die normalerweise ein solches stilles Gewässer aufsuchen würden.
Und stets war es Cunivieth, die zu Valimaro sprach und ihn viel lehrte über die Kräuterkunde in der Wildnis und ihn in viele ihrer kleineren Geheimnisse einweihte, um sich noch besser im Nachtwald zurechtzufinden und die Schätze des Waldes zu erkennen und für sich nutzen zu können.
Und Valimaro sparte sich seine zwei Fragen auf und ließ die Elbin ihn unterweisen, was immer sie ihn auch lehren wollte, doch die Frage nach dem Warum blieb für ihn noch im Dunkeln.

In all den Jahren, die nun vergingen, besuchte Valimaro seine Freundin im Schattenhain dutzende Male und es soll an dieser Stelle nicht auf jedes ihrer Treffen eingegangen werden, weil die meisten dieser Besuche den beiden Elben und ihrer Vertrautheit miteinander gehören und deshalb nicht für andere bestimmt sind.
Doch sollen die beiden Treffen hier zur Sprache kommen, an denen der Wächter jeweils seine übrigen Fragen an Cunivieth stellte und den Schattenhain anschließend ver-lassen musste.

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